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Benedict Wells: Fast genial

Benedict Wells - Fast genial Roman

Drei Jugendliche auf ihrer Reise quer durch Amerika: Für zwei der Reisenden ist die Fahrt mehr Flucht, für den Helden soll sie die Antwort auf seine Herkunft liefern. Francis ist auf der Suche nach seinem Erzeuger, einem Harvard-Absolventen, der sein Sperma der „Samenbank der Genies“ gespendet hat.

Das Leben des 17-jährigen Francis ist ein trostloses: Seinen Vater kennt er nicht, seine Mutter ist manisch-depressiv. Er lebt in einem heruntergekommenen Wohnwagen am Stadtrand des bedeutungslosen Claymont. Seinen Abschluss an der High-School wird Francis nicht schaffen, seine sportliche Karriere als Ringer hat er bereits in den Sand gesetzt. Sein einziger Freund ist der dickleibige Nerd Grover. Der ehemals beliebte Schüler hat sich vom sozialen Leben zurückgezogen und sein Selbstbewusstsein verschwindet mehr und mehr in die Versenkung. Der Jugendliche sieht seine Zukunft als Hilfsarbeiter, der bis zum Rest seines Lebens in Claymont festsitzt.

Es sind zwei Begebenheiten, die eine Wendung seines tristen Daseins bedeuten: Als seine Mutter nach einem Anfall in die psychiatrische Klinik eingeliefert wird, lernt er dort die 19-jährige Anne-May kennen. Sie wurde nach einem Selbstmordversuch ebenfalls in die Klinik eingeliefert. Während Francis seine Besuche bei seiner Mutter absolviert, entwickelt sich eine zarte Freundschaft zwischen den beiden. Mit seiner Mutter geht es weiter bergab. Nach einem misslungenen Selbstmordversuch entdeckt Francis ihren Abschiedsbrief, in dem sie ihm mitteilt, wer sein Vater ist.

Du warst ein Retortenbaby, Francis.

Was ein Schock sein könnte, ist für Francis ein Hoffnungsschimmer. In ihrem Brief teilt ihm seine Mutter mit, dass er ein Retortenbaby sei. Vor fast zwei Jahrzehnten nahm sie bei einem Programm teil, das sich die „Samenbank für Genies“ nannte. Bei den Samenspendern wurden ausschließlich Nobelpreisträger und überdurchschnittlich intelligente Wissenschaftler ausgewählt. Sie schreibt ihm ebenfalls, dass sein Vater den Decknamen „Donor James“ trägt, ein Absolvent der Harvard-Universität sei und einen IQ von 170 habe. Francis beginnt über das damalige Zuchtprogramm zu recherchieren.

Dabei brannte er darauf, endlich die Wahrheit über alles zu erfahren. Er hatte immer gewusst, dass er nicht so dumm war, wie die Leute dachten. In den letzten Jahren hatten sie ihn zwar alle abgeschrieben, aber er hatte einen genialen Vater, also musste irgendetwas davon auch in ihm stecken. Was genau, das würde er jetzt herausfinden.

Ist seine Zukunft doch nicht so trostlos? Hat er Gene, die auf Intelligenz schließen und die ihm trotz allem zu einer steilen Karriere verhelfen? Er beschließt, seinen Vater ausfindig zu machen und ihn zu besuchen. Dazu muss er jedoch nach Kalifornien. Da Francis weder Geld noch Auto hat, muss Grover als Chauffeur und sein Stiefvater als Geldgeber aushelfen. Anne-May sieht ihre Chance mit Francis der Klinik und ihren Eltern zu entfliehen. Die Road-Story kann beginnen…

Die Geschichte ist kurzweilig erzählt, denn Wells spart sich wissenschaftliche Ausführungen, philosophische Gedankengänge und tiefschürfende Gesellschaftskritik. Man könnte dies durchaus bei diesem Thema erwarten. Stattdessen konzentriert sich der Autor auf seinen Helden und erzählt von seinem Standpunkt über Annäherungsversuche, Eifersüchteleien, Rauschzustände und Freundschaften. Trotz aller Leichtigkeit, die diese Road-Story gerade für junge Leser interessant macht, umkreist Wells wichtige Aspekte des Erwachsenwerdens: die Suche nach der eigenen Identität, das Auseinandersetzen mit der Zukunft und die Frage, ob das Schicksal mehr durch Gene oder durch das soziale Umfeld bestimmt wird.

Rezension: NR. 366
[ssba]
14. Januar 2017

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