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Paulo Coelho: Die Hexe von Portobello

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Was macht eine moderne Hexe aus? Ist sie das alte, mit mystischen Zauberkräften ausgestattete Kräuterweiblein oder die unheilvolle Schöne – vom Teufel besessene? Trotz unserer aufgeklärten Welt ist der Begriff „Hexe“ nach wie vor ein mit Mystik und Esoterik behafteteter Begriff – er wird jedoch heute zunehmend in positiver Weise neu verstanden: Als Hexe bezeichnen sich oft Frauen, die sich mit Heilkräutern und den alten Religionen beschäftigen. So auch Athena – die Hexe von Portobello -, durch die die Große Mutter „Gaia“ spricht. Athena ist die „Hexe von Portobello“, eine junge, schöne, erfolgreiche und mystische Frau mit entsprechender Vergangenheit: in Rumänien als Tochter einer Zigeunerin geboren, wird sie von ihrer Mutter in ein Waisenhaus gegeben. Dort wird Sherine, wie Athena eigentlich heißt, von einem libanesischen Ehepaar adoptiert und wächst in Beirut auf. Aufgrund der sich immer mehr ausbreitenden Unruhen im Libanon emigriert die Familie nach London. Sherine wird sich mehr und mehr ihren seltsamen Kräften bewusst und nennt sich selbst nur noch Athena.

Ihre innere Unruhe lässt sie ihr Studium abbrechen und eine kurze Beziehung mit einem Mann eingehen, denn es ist – Athenas Aussage zufolge – ihre Bestimmung, einen Sohn zu haben. Viorel wird geboren und trotzdem fühlt Athena Lücken und Unzufriedenheit in ihrem Leben. Sie reist in die Wüste, um Kalligrafie zu lernen. Sie macht sich auf die Spuren ihrer leiblichen Mutter. Sie nimmt Verbindung zu einer anderen Hexe auf und beginnt schließlich selbst ihr (Un-)Wissen an eine Schauspielerin weiter zugeben. Erst als Gaia, die Urgöttin, in Verbindung mit ihr tritt, erkennt Athena ihre Bestimmung und den Sinn ihres Lebens.

Das Besondere an diesem Buch ist die Erzählweise: Die Lebensgeschichte der modernen Hexe Athena wird mit Hilfe von Interviews geschildert. Personen, die mit Athena in Beziehung stehen kommen kapitelweise zu Wort – ihre individuellen Sichtweisen und Interpretationen setzt ein Erzähler Stück für Stück zu einem Ganzen zusammen.

„Zu Beginn meiner Ermittlungen, dessen Ergebnis dieses Manuskript ist, dachte ich, dass ich Athenas Leben erforschte, um herauszufinden, wie mutig und wichtig sie war. Aber je mehr Gespräche ich führte, umso mehr lernte ich auch meine verborgene Seite kennen, obwohl ich an solche Dinge besonders glaube.“

Paolo Coelho beschäftigt sich in diesem Roman mit dem Glauben – in spiritueller und religiöser Hinsicht. Als einer der Hauptthesen ist der Glaube an jemandem oder etwas notwendig, um sich in der heutigen Gesellschaft zu behaupten und sich nicht in den täglichen Herausforderungen zu verlieren. Dabei kommen esoterische Lebenshilfen zum Zug wie banale Weltweisheiten.

Jutta Duhm-Heitzmann von NDR Kultur schreibt:

An den Büchern des brasilianischen Autors Paolo Coelho scheiden sich die Geister: die einen Leser gehören seit seinem Weltbestseller „Der Alchimist“ zu seinen unverbrüchlichen Fans, die anderen tun seine Literatur als unerträgliches esoterisches Gesülze ab – dazu auch noch simpel und schlecht geschrieben.

Ich kann mich dieser Kritik nur anschließen. Für diejenigen, die ihr Herz für Esoterik und die mystische Seite unseres Daseins geöffnet haben, mag „Die Hexe von Portobello“ durchaus etwas bringen. Für mich hat der spannungslose Roman keine Faszination für das Thema Glauben erweckt – dass jeder seinen Sinn im Leben auf unterschiedliche Weise selbst finden muss, war mir schon vorher klar. So gesehen, kann dieser Roman nur als Strudelteig bezeichnet werden. Mit fortschreitender Lektüre wird die Erzählung ziemlich zäh und platt – man ist meilenweit von einem Lese-Erlebnis entfernt.

Rezension: NR. 77
29. Dezember 2007

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