Theodor Fontane: Jenseits des Tweed

Theodor Fontane Jenseits des Tweed
NR. 369
9 Mrz
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Im Sommer 1858 fuhr der deutsche Lyriker Theodor Fontane zusammen mit seinem Schriftstellerkollegen Bernhard von Lepel nach Edinburgh, um von dort ihre Schottlandreise anzutreten. Über seine Erlebnisse verfasste Fontane einen literarischen Reisebericht. Der Aufbau Verlag hat dieses reiseliterarische Werk 2016 neu aufgelegt. Ein amüsanter Reiseführer nicht nur für Schottland-Fans, sondern auch für Liebhaber historischer (Reise-)literatur.

Eine Reise an der Seite des Freundes ist eine Freundschaftsprobe, wie die Ehe eine Liebesprobe ist.

Seit seiner Kindheit war Fontane immer schon von Schottland fasziniert. Er wuchs mit den Werken Walter Scotts und William Shakespeares auf und begeisterte sich für die schottische Geschichte. Die damals gemachten Erfahrungen bestimmten die Reiseroute: Gegen den Uhrzeigersinn ging es unter anderem nach Edinburgh, Linlithgow, Stirling, Perth, Inverness, Iona, Staffa, Melrose und Abbotsford – Schauplätze, an denen Walter Scott, Maria Stuart oder Macbeth ihre Spuren hinterließen und sie prägten.

Denn der Engländer fährt nur dritter Klasse, wenn er muß, der Schotte, wenn er kann.

Aus dieser literaturtouristischen Reise verfasste Fontane einen unterhaltsamen Reisebericht, der 1860 veröffentlicht wurde und heute noch durchaus als unverzichtbarer Reisebegleiter gelten kann. Zusammen mit Fontane wandelt man über zerklüftete Landschaften, Moore, geschichtsträchtige Inseln und alte Schlachtfelder, besichtigt Lochs, alte Schlösser und Spukhäuser. Dabei streut er immer wieder kleine historische Geschichten und amüsante Aphorismen über Land und Leute zwischen den pittoresken Schilderungen. Und wie es auch jedem Reisenden geht, so musste sich auch Fontane über schlecht ausgestattete Zimmer, überteuerte Preise und Nepp ärgern.

Nicht die Frage „paßt es “ hat den Architekten beschäftigt, sondern immer nur die Frage „klebt es“.

Diese und andere Bemerkungen über Fontanes Eindrücke bringen den Leser zum Schmunzeln und machen dieses Buch zu einem Vergnügen. Zudem gestaltete der Dichter seinen Bericht mit historischen Begebenheiten spannend und informativ. Ob es darum geht wie David Rizzio ermordert wurde, wie Archibald Douglas den Beinamen „Bell the Cat“ erhielt oder wo das Moor der Hexen Shakespeares liegt – das alles geschrieben in einem damals charakteristischen Deutsch, an das man sich aber schnell gewöhnt. Man möchte am liebsten selbst in den Flieger steigen, um mit diesem Buch in der Hand die selben Orte zu bestaunen, wie es Fontane vor über 150 Jahren getan hat.

Ein Sonntag in Schottland ist für den Reisenden wie ein Gewitter bei einer Landpartie.

„Jenseits des Tweed“ ist Teil der Großen Brandenburger Ausgabe – einer Sammlung zu Fontanes Werken bestehend aus kommentierten Einzelbänden, erschienen im Aufbau Verlag.

Für die Große Brandenburger Ausgabe wird die Textfassung der Erstausgabe erstmals in ihrer historischen Orthographie wiederhergestellt. Sie wird ergänzt um das Kapitel »Lochleven-Castle«, das aus verlagstechnischen Gründen in der Erstausgabe fehlt. Der umfassende Kommentar informiert über die Entstehung, Rezeption und Überlieferung des reiseliterarischen Werkes und liefert Verständnishilfen zu historischen Ereignissen, der Reiseroute und den literarischen Reminiszenzen. Personen-, Werk- und Ortsregister erläutern die historischen Persönlichkeiten und die Sehenswürdigkeiten der Reise. Ergänzt wird der Band durch die Zeichnungen Bernhard von Lepels. (Herausgeberin Maren Ermisch)

Hier noch eine Seite mit sehr schönen Fotos zu den Stationen der Reise: http://www.jenseit-des-tweed.de/index_scot.html

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Deine Meinung über dieses Buch:

1 comment
  • Bernd Arnold sagt:

    Danke für diese schottische Reise-Erinnerung. Dazu finde ich im Bücherschrank:
    Jenseits des Tweed. Eine Schottlandreise auf den Spuren Theodor Fontanes, Mit Texten von Theodor Fontane und Fotos von Dieter Blase, Georg Westermann Verlag, Braunschweig 1987

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