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Georg Preuße: Mary – Mein Leben in ihrem Schatten

mary

„Mein Leben in ihrem Schatten“ – dieser Titel klang mir zuerst etwas suspekt. Drückt er doch beim ersten Lesen Bedauern aus über die Kunstfigur, welche Preusse selbst geschaffen hat. Liest man jedoch die ersten Seiten, wird klar, dass man mit dieser Autobiographie keine weinerliche Selbstbeweihräucherung vor sich hat, sondern einen schonungslosen Tatsachenbericht.

Georg Preusse, auf dem platten Land geboren, in einem Ort, wo die Kirche noch die Moral diktiert, mausert sich, später zusammen mit seinem Partner, zum erfolgreichsten Travestiestar Deutschlands. Nun lässt er den Leser endlich teilhaben an seinen Erinnerungen an diesen langen und steilen Weg, den er jedoch nicht nur als Mary, sondern auch als Schauspieler unter seinem richtigen Namen beschritt (u.a. 2005 die Rolle des „Jedermann“ im Berliner Dom). Offen und ehrlich (auch sich selbst gegenüber!) berichtet er über sein Leben. Ich für meine Person kann sagen, dass ich mich noch nie bei einer Autobiographie einem Menschen so nahe gefühlt habe. Garniert wird dieser Seelenstripthease von über 50 Seiten privater und beruflicher Fotos. Zugegeben ganz schön happig, bei einem Künstler mit tausend Facetten aber gerade ausreichend.
Fazit: Nach dem man dieses Buch gelesen hat, hat man das Gefühl, nicht das Leben eines Prominenten, sondern eines alten Freundes in der Hand zu halten.

An Herrn Preusse: VIELEN DANK, dass Sie Zeugnis abgelegt haben!
An alle anderen: Unbedingt kaufen!!!

Rezension: NR. 214
27. Januar 2011

Deine Meinung über dieses Buch:

1 comment
  • frau_bluecher sagt:

    Ich habe dieses Buch Mitte der 80er zum ersten Mal gelesen – mit Begeisterung gelesen – und nun wieder hervorgekramt. Es sind doch etliche Jahre ins Land gezogen, aber ich finde, dieses Buch hat immer noch einen aktuellen Bezug, sind wir doch noch weit entfernt von einer selbstverständlichen Gleichberechtigung. Auch wenn sich in der Zwischenzeit doch – Gott sei Dank – einiges geändert hat. Faszinierend nach wie vor die Sprache von Gerd Brantenberg. Obwohl dieses Buch mit zunehmender Länge einen immer stärkeren politischen Einschlag bekommt, finde ich es immer noch lesenswert und würde es auch nach wie vor fast uneingeschränkt weiterempfehlen, deshalb gabs von mir: 1 Rat(t)e.

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