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Yann Martel: Schiffbruch mit Tiger

Dieser Abenteuerroman findet vorwiegend auf See statt, wo der Junge Pi (nach dem Pariser Schwimmband Piscine Molitor benannt) mitsamt einem Tiger in einem kleinen Rettungsboot treibt – als einzige Überlebende eines Schiffsbruchs. Pis Vater war Zoodirektor und wollte mit seinen Tieren nach Kanada auswandern. Das Schiff sinkt und in dem kleinen Rettungsboot befindet sich Pi in Gesellschaft mit einem verletztes Zebra, einem Orang-Utan, einer Hyäne und einem Tiger, mit dem Pi die nächsten 227 Tage auf dem Pazifik verbringen wird.

Im Kern des Buches steht eine Auseinandersetzung sowohl mit der Zoologie als auch mit der Theologie – beide Fächer studiert der Protagonist Pi Patel, nachdem er seinen Schiffbruch mit dem Tiger überlebt hat. Die vielfältigen und schaurigen Erlebnisse des Schiffbrüchigen auf dem Rettungsboot, der Zustand des gepeinigten Körpers und die verzweifelte seelische Verfassung sowie der Umgang mit den wilden Tieren auf dem Boot, von dem am Ende nur der Tiger überbleibt, sind in realistischer und teilweise sehr drastischer Weise beschrieben. Das ist spannender und unterhaltsamer Lesestoff auf zweihundertdreißig Seiten. Der Roman ist abenteuerlich und zugleich eine Parabel auf den Glauben: Pi wird inmitten der großen Unendlichkeit des Ozeans zum gläubigen Hindu, Moslem und Christen.

Rezension: NR. 2
26. Januar 2007