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Martin Langfield: Maleficus

Maleficus

Dieses Buch trägt als (deutsch übersetzten) Titel das lateinische Adjektiv „maleficus“, was soviel wie „etwas böses tuende“ und auch „zauberisch“ bedeutet. Der englische Autor Martin Langfield hat eines der übelsten Dinge dieser Welt zum Thema für seinen 2009 erschienenen Mystery-Roman gemacht und es mit altem Okkultismus verwoben.

Am 30. Juni 1944 platziert Isambard (das personifizierte Böse mit grünen Augen) eine Bombe im Zentrum Londons mit dem Ziel, nicht nur die Stadt komplett auszulöschen sondern auch den Nazis zum Endsieg zu verhelfen. Eine Gruppe von Leuten mit übersinnlichen Kräften können den Anschlag zwar nicht verhindern, aber den Aufschlag der Bombe „einfrieren“.

Exakt 63 Jahre später fängt jedoch dieser Schutz zu bröckeln an und das Geschehen wiederholt sich. Die Geschichte über Verrat und Vergebung spielt in London und Paris während des 2. Weltkrieges und der Gegenwart. Das Spiel mit einer Vielzahl an Charakteren, okkulten Symbolen und unterschiedlichen Zeitsträngen ist dem Autor durchaus gelungen.

Peter ist ein Bastard. Es heißt, seine französische Mutter sei von einem Nazi vergewaltigt worden. Eine geheimnisvolle Nachricht mit dem Inhalt, dass sein Vater in Berlin zu finden sei, verleitet Peter 1934 nach Berlin zu reisen. Gleich nach seiner Ankunft wird er in eine neu gegründete SS-Akademie geschickt. Dort soll er nicht nur mehr über Okkultismus und Alchimie lernen, sondern er wird vor allem einem harten Überlebenstraining unterzogen.

Sein Chef und Mentor ist Isambard, ein Mann ohne Alter und Mitgefühl und – wie sich später herausstellt – das kranke Gehirn hinter der Massenvernichtungswaffe. Seitdem Peter unter seinen Fittichen steht, kann er sich Isambards Einfluss nicht mehr entziehen. Er wird beauftragt ein geheimes Manuskript von Isaac Newton zu stehlen, in dem die Herstellung einer ultimativen Kraft, dem geheimen Feuer, beschrieben ist. Mit Hilfe dieses Feuers will Isambard nicht nur London in Schutt und Asche legen sondern auch dem Nationalsozialismus zum Sieg verhelfen.

New York 2007: Robert ist verzweifelt, denn seine Frau wurde entführt. Er bittet seinen alten Freund Horace um Hilfe, der ihm rät, rasch nach London zu kommen. Horace, der von der Wiederholung der Ereignisse von 1944 weiß, informiert Robert darüber, dass ihnen nur noch vier Tage bleiben, um die Katastrophe abzuwenden.

„Was geschah 1944?“, platzte er schließlich heraus.
„Die Waffe ging los“, flüsterte Horace. „Isambard hatte tatsächlich Erfolg, bis zu einem gewissen Grad. Aber sie wurde eingedämmt. In der Zeit eingefroren. In gewisser Weise explodiert sie immer noch, direkt um uns herum, aber in einer anderen Zeit. Ich weiß nicht genau, wie sie eingedämmt wurde, obwohl ich zum Teil und unwissentlich, daran beteiligt war. Aber wenn wir Katherine helfen wollen, müssen wir es herausfinden. Denn die Wirkung geht zu Ende.“
„Sie löst sich auf?“
Ein Name blitzte in Roberts Geist auf. Margaret.
„Sehr schnell. Und wenn sie vollständig abgebaut ist …“
„Explodiert sie. Jetzt in der Gegenwart.“
„Die Wirkung in der Gegenwart wird sein, als wäre eine gigantische Bombe hochgegangen. Sie wird London und ganz Südostengland zerstören. Alles, was in dem betroffenen Gebiet seit dem 30. Juni 1944 gebaut wurde – jeder, der in dem betroffenen Gebiet seit dem 30. Juni 1944 geboren wurde und seine Nachkommen -, wird aufhören zu existieren, bis zur Gegenwart. Katherine. Ein Genozid über Generationen. Aber das ist noch nicht alles.“
Robert starrte Horace ungläubig an. „Was könnte noch schlimmer sein?“
„Tatsächlich wird die Waffe 1944 explodieren. Sie wird die Invasion der Alliierten in der Normandie zum Stillstand bringen und alle alliierten Führer und Kommandeure in England töten. Südostengland ist ein rauchendes Trümmerfeld, der Rest ein hungerndes, geschlagenes Land. Die Nazis werden ihre Aufmerksamkeit der Ostfront zuwenden können. Vielleicht siegen sie, vielleicht wir dien blutiges Patt erreicht. Die Nazis überleben, Vielleicht florieren sie sogar. Amerika zieht sich zurück, noch nicht in der Lage, die Atombombe zu bauen, und Europa bleibt eine totalitäre Hölle.“
„Eine Zeitbombe.“
„Jetzt verstehen Sie. Das Geheime-Feuer-Gerät ist eine Variation der Waffe, die wir in Manhattan gesehen haben. Nur empfänglicher für … zeitliche Unterbrechung.“
„Und sie geht am 30. Juni hoch? Kann man sie aufhalten?“
„Wir haben noch vier Tage. Ich muss in London bleiben, um mehr übe das Material in Erfahrung zu bringen, das Adam hinterlassen hat. Sie müssen in die Fens reisen, um mehr über die Vergangenheit Ihrer Familie herauszufinden. Ich kann nicht weit sehen, was das betrifft, aber dort liegt die Lösung. Es gibt einen Mann, mit dem Sie reden sollten, am besten heute noch, einen alten Freund von Harry namens Romanek.“
„Horace.“ Robert ließ nicht locker. „Lässt sich die Explosion aufhalten?“
„Ich weiß es nicht.“
„Sie vergessen Katherine.“
„Nein. Der schnellste Weg, ihr zu helfen, besteht darin, diejenigen zu besiegen, die wollen, dass diese Katastrophe passiert. Besiegen Sie Isambard.“

Martin Langfield präsentiert einen ausgeklügelt konstruierten Roman, in dem versucht wird, historische Ereignisse mit Mystery zu verknüpfen. Die sich abwechselnden zeitlichen Handlungsebenen und Erzählperspektiven machen den Roman spannend und lebhaft. Allerdings geben einem die wiederkehrenden Beschreibungen der Nazi-Symbole (Hakenkreuz, Runen, schwarze Lederuniformen) und ihre noch sehr bestimmende Bedeutung in der Gegenwart ein flaues Gefühl. Vielleicht ein Grund, warum dieser Roman im deutschsprachigen Raum noch nicht sehr bekannt ist.

Rezension: NR. 228
28. April 2011

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