Wir sind die Buchblogger mit der Ratte und lieben lesen!

Sam Millar: Die Bestien von Belfast

Sam Millar - die Bestien von Belfast - der erste Fall für Karl Kane

Der erste Fall für den irischen Privatdetektiv Karl Kane. Hart gekochter Krimi – nichts für Weicheier.

Sie öffnete die Augen. Was sie sah, erfüllte sie mit Entsetzen. Ein Stück Knochen ragte wie ein bleiches Teleskop aus ihrem linken Bein. Stimmen schossen ihr wie Querschläger durch den Kopf.
Sieh nach, ob sie tot ist.
Machst du Witze? Klar ist die tot.
Manisches Gelächter. Bestien.
Schneid ihr die Kehle durch. Sicher ist sicher.
Sie begann zu beten: Macht schnell.

Der Prolog schrammt an der Grenze meines guten Geschmacks: Eine Frau wird in einem Steinbruch von Jugendlichen grausam vergewaltigt und misshandelt. Man ahnt, dass dieser Teil für den Fortgang der Geschichte wesentlich ist. 20 Jahre später: In einem Stadtpark wird eine männliche Leiche gefunden. Von einem zwielichtigen Mann beauftragt, soll Karl mehr über den Leichnam herausfinden. Der Fall wird immer undurchsichtiger, als weitere Männer bestialisch ermordet werden. Doch Kane beißt sich in seinen ersten Fall so richtig rein.

Ein hard-boiled Detective

In Karl Kane treffen wir auf eine in der Literatur bekannte Figur. Der Privatermittler hat eine attraktive Sekretärin mit untadeligem Charakter. Im Gegensatz zu ihrem Chef, der weit weg vom Traum jeder Schwiegermutter ist. Kane ist geschieden, spindeldürr, verhinderter Schriftsteller, leidet an Hämorrhoiden und raucht wie ein Schlot. Und wie der tragische Held, so klingt auch der Beginn des Krimis vertraut: Kane ist fast pleite (es droht wie immer die Kündigung) und nimmt einen Auftrag mit einem schlechten Gefühl und nur wegen des Honorars an. Wie viele Krimis haben einen solchen Helden, wie viele beginnen auf diese Art? Aber wegen eines ruppigen Helden mit rauer Schale, weichem Herz und flotten Sprüchen auf der Lippe, greift man ja auch so solcher Lektüre – zu einem nach bewährter Methode gestrickten Hardboiled-Krimi.

Damit aber der Roman sich nicht zu einem Dreigroschenroman entwickelt, wechselt Millar kapitelweise zwischen Zeit, Ort und Erzählperspektive. Für den Leser, erst einmal verwirrt, erschließt sich aus diesen Häppchen langsam ein Gesamtbild, dem erst gegen Ende die letzten Pinselstriche hinzugefügt werden. Am Ende hat man einen spannend-grauslichen Krimi mit Überraschungen gelesen, der für hartgesottene Krimi-Fans eine gute Empfehlung ist.

Krimi-Literatur aus Irland

Sam Millar wurde in Belfast geboren. In den 70er Jahren verbrachte er acht Jahre hinter Gittern, nachdem er auf dem Höhepunkt der Unruhen in Nordirland ohne Gerichtsbeschluss inhaftiert worden war. Wieder auf freiem Fuß, ging er in die USA, wo er 1993 einen der schwersten Raubüberfälle in der US-amerikanischen Geschichte initiierte und über sieben Millionen Dollar erbeutete. Millar wurde gefasst, später begnadigt und kehrte nach Belfast zurück, wo er seit dem Kriminalromane schreibt. Er stand auf der Shortlist zum Grand prix de littérature policière, wurde mit dem Brian Moore Award und dem Aisling Award for Art and Culture ausgezeichnet.

Rezension: NR. 362
[ssba]
2. Dezember 2016

Deine Meinung über dieses Buch:

3 comments

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.