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Alexandra Adornetto: Halo

halo

Wer auf der Suche nach einer Alternative zu Vampiren und Werwölfen ist, kann es mal mit einer anderen mystischen Welt versuchen, nämlich die der Engel. Aber aufgepasst: Wo gleißende Himmelswesen sind, ist auch der Teufel nicht weit. Die Geschichte, die uns die australische Autorin erzählt, ist auf (weibliche) Jugendliche zugeschnitten und greift auf Bekannt-Bewährtes zurück. Die drei Engel Gabriele, Evy und Bethany werden von höchster Stelle in das verschlafene Nest Venus Cove versetzt, um gegen das Böse anzutreten.

Um den Schein zu wahren, geben sie sich als Geschwister aus. Gabriel nimmt einen Job als Musiklehrer an, Evy engagiert sich in soziale Vereine und Bethany – die Jüngste – muss die Schulbank drücken. In der Highschool lernt Bethany den Schulsprecher Xavier kennen und verliebt sich auch prompt in ihn. Und wie zu vermuten ist, sorgt diese paranormale Beziehung für etliche Probleme. Bethanys Verstrickungen in das menschliche Dasein verlieren jedoch an Bedeutung, als ein Abgesandter des Teufels die Bühne betritt und das Engel-Mädchen für sich beansprucht. Mystische Wesen haben es wirklich nicht leicht auf unserer Welt. Ihre wahre Identität muss selbstverständlich geheim bleiben, ebenso ihre übersinnlichen Fähigkeiten. Kurz: Sie müssen sich so verhalten, als ob sie Menschen wären. Dies fällt besonders dem ältesten Engel Gabriel schwer, da er eigentlich nur in der Theorie über menschliche Gefühle Bescheid weiß. Anders dagegen ist Bethany: Sie ist ein noch junger, unerfahrener Engel, der in der himmlischen Hierarchie noch ziemlich weit unten steht. Sie findet sich leicht und schnell in die Welt der Menschen zurecht und nimmt – zum Ärgernis von Gabriel und Evy – auch ziemlich bald deren Eigenschaften an. So ist eine Romanze zu einem Teenager nur logisch und für den Plot notwendig.

Bethanys Liebe Xavier ist selbstverständlich ohne Fehl und Tadel. Er ist gut aussehend, intelligent, selbstbewusst und emotional vorbelastet (klar, ansonsten könnte ihn ja irgendein Highschool-Mädchen angeln). Und kaum haben Bethany und Xavier die Probleme mit Gabriel aus der Welt geschafft, taucht auch schon eine neue Komplikation in Form des neuen Schülers Jake Thorne aus England (!) auf. Jake ist der Konterpart zu Xavier: In seiner rebellischen und offensiven Art gelingt es ihm schnell, die Highschool und auch die Engelschaft aufzumischen. Man ahnt schnell, dass der Typ nicht von dieser Welt ist …

Der Junge, der jetzt nach vorne trat, war nicht das, was ich erwartet hatte. Irgendetwas an ihm ließ mir das Herz in die Hose rutschen. Er war groß und schlaksig, und sein glattes dunkles Haar reicht ihm bis auf die Schultern. Er hatte eine stark ausgeprägte Kieferpartie, die ihm ein hageres Aussehen verlieh. Seine Nasenspitze war leicht gebogen, und seine tiefliegenden Augen leuchteten jadegrün. Er lächelte spöttisch.

Er trug schwarze Jeans und ein schwarzes T-Shirt, und um seinen Unterarm schlängelte sich das Tattoo einer Schlange. Es schien ihm vollkommen gleichgültig zu sein, dass er an seinem ersten Schultag keine Schuluniform trug. Genau genommen strahlte er das Selbstbewusstsein eines Menschen aus, der sich selbst über alle Regeln erhaben sah. Es war nicht zu leugnen: Er sah ausgesprochen gut aus. Aber irgendetwas an ihm verriet, dass da mehr war als nur Schönheit. War es Anmut, Gelassenheit, Charme oder etwas viel Gefährlicheres?

Jakes lüsterner Blick schweifte durch das Klassenzimmer. Bevor ich den Kopf einziehen konnte, traf sein Blick den meinen, und wir sahen uns einen Moment lang in die Augen. Er lächelte selbstzufrieden, bevor er begann.

Alexandra Adornetto versucht mit ihrem Präludium in die Fußstapfen von „Twighlight“ zu treten. Leider wird hier aber das Konzept „Human vs. Supernatural“ nur halbherzig umgesetzt. Der Leser muss sich auf die Auseinandersetzung zwischen Engel und Dämon bis zum letzten Viertel gedulden. Bis dahin weiß er allerdings alles über Engel und ihre Beziehungen zu Menschen. Im Großen und Ganzen ist das Buch für Jugendliche ab 12 gut geeignet. Die erste Liebe und die daraus resultierenden Konflikte mit dem Elternhaus werden ebenso angesprochen wie Sex vor der Ehe und – notgedrungenermaßen – der Glaube an Gott. Sprachlich entspricht die Autorin ihrer Zielgruppe. Allerdings frage ich mich immer noch, was „präraffaelitische Frisuren“ sind und ob „Stoizismus“ auch allen Teenagern ein Begriff ist.

„Halo“ ist der erste Teil einer Trilogie. Der Roman ist eine in sich abgeschlossene Geschichte, der mit dem letzten Absatz Lust auf den zweiten Teil „Hades“ machen soll.

Rezension: NR. 261
[ssba]
1. Februar 2012

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