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Joe Abercrombie: The Heroes (Heldenklingen)

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Aufgeschlitzte Bäuche, gespaltene Schädel, abgetrennte Gliedmaßen. Regen, Dreck und wieder Regen. Knapp 80 Darsteller. Der englische Fantasy-Autor hat sich mit seinen bluttriefenden Schlacht-Epen bereits einen Namen gemacht. Und auch in seinem letzten Roman „The Heroes“, der den etwas seltsamen deutschen Titel „Heldenklingen“ verpasst bekommen hat, enttäuscht er seine Fans nicht. Die Geschichte umfasst nur wenige Tage. Alles beginnt damit, dass die südliche Union die benachbarten Nordmänner für eine Entscheidungsschlacht herausfordert. Die verfeindeten Truppen treffen sich in einem unbedeutenden Tal rund um einen unbedeutenden Hügel mit einem vergessenen Steinkreis.

Die beiden Armeen könnten nicht unterschiedlicher sein: Die Union beeindruckt mit einem riesigen und gut ausgestatteten Heer, in dem Ordnung und Disziplin herrschen. Der König selbst bleibt der Schlacht fern und schickt stattdessen Marshall Kroy an die Front. Die Nordländer hingegen sind ein mehr oder weniger ungeordneter Haufen gewalttätiger Barbaren, die von dem berühmt-berüchtigten Black Dow angeführt werden. Was der eine mit Gewalttätigkeit und Schlauheit voraus hat, macht der andere mit Quantität an Menschen und Waffen wieder wett. Nicht nur die Frage, wer als Sieger aus der drei Tage andauernden Schlacht hervorgeht, macht diesen Roman spannend. Er besticht vor allem mit raffiniert gesponnenen Nebenhandlungen, ausgetüftelten Charakteren und viel Galgenhumor.

Hier darf man keine Elfen, Trolle oder Vampire erwarten. Dies ist ein Fantasy-Buch für Erwachsene. Hier geht es um nichts anderes als um Krieg: Die Truppen rüsten sich für die Schlacht, die Anführer geben die Schlachtordnung an und entwerfen Strategien. Dann geht das Gemetzel los. Man kämpft mit Schwertern, Äxten, Messer, Pfeile und Lanzen. Somit wäre die Handlung grob umrissen. Die Angriffe, Siege und Niederlagen bilden eigentlich nur den Rahmen für das archaische Gemälde, in dessen Mittelpunkt die Charaktere und ihre Ambitionen stehen. Fast 80 wichtige und weniger wichtige handelnde Personen sind auf den ersten Seiten gelistet, und man wird öfters auf diese Seiten zurückkommen, um den Überblick nicht zu verlieren. Viele von den Kommandeuren, Anführern und gemeinen Soldaten sind für die Geschichte nicht unbedeutend, da sie die unterschiedlichen Triebkräfte für das Morden und Schlachten darstellen. Drei Figuren jedoch wird eine besondere Bedeutung zugewiesen.

Colonel Bremer dan Gorst ist ein in Ungnade gefallener Kämpfer, der von dem König der Unionisten zum Beobachter der Schlacht degradiert worden ist. Die Schlacht will er für eine Rehabilitierung nutzen. Die einstige Demütigung, die er auch noch selbst verschuldet hat, und ihre Folgen haben Gorst zu einem frustrierten und zynischen Soldaten gemacht.

„Someone will need to take this order to General Jalenhorm. To move with all haste to the Heroes und secure the hill, the town of Osrung, and any other crossings of the river that–“ Gorst stepped forwards. „I will take it.“ If there was to be action, Jalenhorm’s division would be first into it. And I will be at the front of the front rank. I will not bury the ghosts of Sipani in a headquarters. „There is no one I would rather entrust it to.“ Gorst grasped the order but the marshal did not release it at once. He remained looking calmly up, the folded paper a bridge between them. „Remember, though, that you are the king’s observer, not the king’s champion.“ I am neither. I am a glorified errand boy, here because nowhere else will have me. I am a secretary in a uniform. A filthy uniform, as it happens. I am a dead man still twitching. Ha ha! Look at the big idiot with the silly voice! Make him dance! „Yes, sir.“

Prinz Calder ist der Sohn des früheren Königs der Nordmänner. Doch König Bethold ist schon lange tot und Black Dow ist nun der Anführer. Calder ist weder an Ehre oder Ruhm interessiert. Und das Kämpfen mag und kann er schon gar nicht. Aber er ist machtgierig und verfolgt seine Ziele mit allerlei Lügen und Tricks.

Curden Craw, ebenfalls ein Nordmann, ist ein altgedienter und angesehener Soldat. Er ist ein „straight edge“, ein Mann mit Handschlagqualität. Ein absolut loyaler Kerl, auf den man sich immer verlassen kann. Doch die jahrzehntelangen Scharmützel haben ihn müde und krank gemacht. Mit kaputten Knien kämpft er seine letzte Schlacht vor dem Ruhestand.

Es gibt noch weitere originelle und auch witzige Darsteller. Whirrun of Bligh, zum Beispiel, mimt den klassischen Helden, so wie wir ihn gerne haben: Mit einem riesigen, sagenumwobenen Schwert pflügt er sich furchtlos und gekonnt durch die Reihen der Feinde und hat dabei auch noch ein Späßchen auf den Lippen. Die gerade angeworbenen Soldaten erzittern vor ihm, und auch Black Dow zeigt Respekt.

„There are thousands of ‚em,“ he breathed. „I know!“ Whirrun was nearly jumping with happiness. „And the more there are, the more our glory, right, Craw?“ Craw took a break from chewing his nails. „Oh, aye. I wish there were twice as many.“ „By the dead, so do I!“ Whirrun dragged in a long breath and blew it through a beaming smile. „But you never know, maybe they’ve got more out of sight!“ „We can hope,“ grunted Yon out of the corner of his mouth. „I fucking love war!“ squeaked Whirrun. „I fucking love it, though, dont’t you?“ Beck didn’t say anything.

Feiglinge, Angsthasen, Gauner, Halsabschneider, Gierschlünde, Ehrgeizlinge, Drückeberger, Draufgänger und wahre Helden. All diese Figuren und ihre Unberechenbarkeit verleihen dem Roman Tiefe und kaum auszuhaltende Spannung. Nie ist man sich ganz sicher, wie die Geschichte weiter geht, denn immer wieder wird der Leser mit etwas Unvermutetem überrascht.

Rezension: NR. 264
[ssba]
9. März 2012

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