Heidi Emfried: Des Träumers Verderben

Wiener Krimi Heidi Emfried des Träumers Verderben

Eine verheiratete Frau und ein verheirateter Mann lernen sich auf der Bahnfahrt von Linz nach Wien kennen und fallen übereinander her. Dies ist der Auftakt zu einer langjährigen „affaire d’amour“. Jeden Donnerstagnachmittag treffen sie sich in einem Hotel am Wiener Stadtrand. Die Schäferstündchen gehen solange gut, bis eines Donnerstags die Frau ihren Geliebten ermordet in der Tiefgarage des Hotels findet. Der Wiener Chefinspektor Leo Lang und sein Team beginnen zu ermitteln.

Wahnsinnig prominent war der Ermordete, Mathieu Rassling, nicht. Dennoch kommt er aus einer ziemlich begüterten und in Wien sehr bekannten Industriellenfamilie. Zusammen mit seinem Bruder leitete er die Rasslingwerke. Als Erstes beginnt Lang sein soziales Umfeld zu untersuchen. Da ist zum einen der Bruder, die vermeintlich verständnisvolle Schwester und die betrogene Ex-Frau, ein undurchsichtiger Lokalpolitiker sowie ein Buchhalter und ein EDV-Leiter. Und da gibt es auch noch zwei Sekretärinnen, die es mit der Wahrheit auch nicht so genau nehmen. Irgendwie scheint es, als ob jeder von ihnen ein Motiv hat, den reichen Verwandten, Arbeitgeber und unliebsamen Konkurrenten um die Ecke zu bringen. Zudem arbeitete Rassling an einem neuen, geheimen Projekt, zusammen mit einem Partner, der vor einiger Zeit jedoch einen tödlichen Unfall hatte.

„Die Geschwister, die Exfrau, der Noch-Mann, der böse Sohn, der echte oder eingebildete Spion, die Heuschreckenkonkurrenten, der psychopathische Neukonkurrent, schöner Verein, das! Dabei haben wir mit den Beschäftigten der Rasslingwerke noch gar nicht angefangen.“ Lang schaffte es nicht, die Resignation aus seiner Stimme herauszuhalten.
„Nicht zu vergessen ein Mann und eine Frau von einem Escort-Service“, ergänzte Cleo.

Wenig stichhaltige Motive und jede Menge Alibis lassen den besonnenen Leo Lang und seine Kollegen für lange Zeit im Dunkeln tappen. Es bleibt ihnen nichts anderes übrig, als sich minutiös auf die Befragung der Verdächtigen, auf die Auswertung der DNA-Spuren im Auto des Toten und auf das Sammeln von Indizien und Beweisen zu konzentrieren. Zu allem Überfluss bekommt die Abteilung auch noch eine Praktikantin aufs Aug‘ gedrückt. Die erweist sich vorerst so gar nicht teamfähig und erlaubt sich auch noch einen schweren Anfängerfehler. Lange drehen sich die Recherchen im Kreis und erst gegen Ende des Krimis spitzen sich die Ermittlungen zu.

Solide Polizeiarbeit

Der Fokus des zweiten Falls von Leo Lang liegt eindeutig in der akribischen Polizeiarbeit. Weder der Mord selbst noch dramatische Wendungen und Ablenkungsmanöver sorgen hier für Spannung, sondern die Befragungen und Auswertungen der Spuren. Für Unterhaltung sorgen der „Prolo“ des Teams, das Wiener Urgestein Helmut Nowotny, der die Dialoge mit dem Wiener Slang immer wieder auflockert, und die Praktikantin. Sie ist Soziologiestudentin und überzeugte Feministin. Mit ihren Einstellungen und ihrem Gehabe, das einer 12-Jährigen ähnelt, mischt sie die Abteilung ordentlich auf. Dagegen wirkt der Chefermittler Leo Lang schon ein kleines Bisschen fad. Mit seiner Lebensgefährtin lebt er eine harmonische Beziehung, in der gutes mediterranes Essen und Spaziergänge in der Natur wesentliche Rollen spielen.

In Summe ist „Des Träumers Verderben“ eine kurzweilige Krimiunterhaltung. Handlung und Charaktere sind solide gebaut, wenn auch beiden etwas mehr Konfliktstoff gut getan hätte.

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