Hermann Bauer: Fernwehträume

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Es ist lange her, dass einen Krimi von Hermann Bauer gelesen habe. Zufälligerweise ist mir sein erstes Buch seiner Reihe „Ein Wiener Kaffeehauskrimi“ in die Finger geraten und ich habe mich an das bereits gelesene Abenteuer „Karambolage“ erinnert und wie viel Vergnügen mir dieser Krimi bereitet hat. Mittlerweile gibt es schon 12 Fälle, die Chef-Ober Leopold in seiner eigenwilligen Art gelöst hat.

Wer schon einmal in einem Wiener Kaffehaus war, weiß, dass es dort keine Kellner gibt. Sondern nur einen „Herr Ober“. Ein solcher ist Leopold und noch mehr: Er ist Chef-Ober im Café Heller, welches mehr oder weniger im Zentrum Floridsdorf gelegen, einen ruhigen Platz für ältere Damen, Wiener Strizzis, Spiegeltrinker, pensionierte Kanzleiräte, Gymnasiasten und Tarock-Spieler bietet. Hier schaltet und waltet Leopold, ein neugieriger, hilfsbereiter Ober. Auf die Frage nach seinem Beruf antwortet er gerne mit „Leichenbeschauer“. Das ist seinen Gästen geschuldet, die tagtäglich immer wieder kommen – bis sie sterben.

„Hofer. Leopold. Eigentlich Leopold Willibald Hofer. Leopold W. Hofer.“
„Wehofer?“
„Nein, Hofer. Das »W« ist nur ein Zusatz, eine Initiale.“
Wusste der Inspektor, was eine Initiale ist? Jedenfalls begann er, etwas auf einem Block zu notieren und fauchte dabei:
„Also nur »Hofer«. Warum reden Sie denn von einem »W«, wenn es nicht wichtig ist?“

Leopolds bester Freund, Thomas Korber, ist Deutsch- und Englischlehrer am nahen Gymnasium und natürlich Stammgast im Café Heller. Und dann gibt es noch Oberinspektor Richard Juricek, ein ergrauter Mittfünfziger mit Schnurrbart, mit dem Leopold einst die Schulbank drückte. Seit Leopold einmal mitgeholfen hatte, einen Kunstraub aufzuklären, weiß Juricek um Leopolds Vorlieben für Kriminalfälle. Ja, das ist des Obers Leidenschaft: das Aufklären von Verbrechen jeder Art. Da er beruflich mit vielen unterschiedlichen Menschen zu tun hat und seine natürlich Veranlagung zur Neugier, man könnte ihn auch als „Gschaftlhuber“ bezeichnen, fühlt sich Leopold geradezu prädestiniert für die Aufklärung von Straftaten aller Art.

Die Botschaft von einem Mord ist eine gute Botschaft

Um die Mittagszeit schneit aufgeregt ein Stammgast ins Café Heller. Es ist Herr Berger, ein Kostgänger vonSusi Niedermayer, ebenfalls Stammgast. Eigentlich wollte Herr Berger sein Mittagessen bei der Dame einnehmen, doch anstatt Wiener Schnitzel vorzufinden, sieht er die am Boden liegende Köchin. Mit eingeschlagenem Kopf. Das nächstliegendste ist nicht die Polizei zu rufen, sondern erst einmal Leopold Bescheid zu geben. Der stellt erst einmal dem aufgeregten Gast ein Stamperl hin, hängt dann sein Geschirrtuch an den Nagel und eilt an den Tatort.

Dass die erst viel später eintreffende Polizei nicht gerade glücklich darüber ist, dass Herr Leopold bereits die Wohnung von Frau Susi inspiziert und die ersten Schlüsse gezogen hat, ist klar. Oberinspektor Juricek allerdings findet in seinem Freund eine Quelle von ersten Schlussfolgerungen zum Mordfall. Eine heiße Spur führt in den „Klub Fernweh“, denn dort war Frau Susi Mitglied. Im Gasthaus Beinsteiner treffen sich regelmäßig ein Grüppchen Pensionisten , um sich Diavorträge von idyllischen Orten dieser Welt anzusehen. Da aber das Gasthaus Beinsteiner in direkter Konkurrenz zum Café Heller steht, schickt Leopold seinen Freund Thomas hin, um zu recherchieren. Der Ober selbst nimmt sich einstweilen die Schwester der Verstorbenen vor.

Ein Wiener Kaffeehauskrimi

Es ist weniger der Mord an sich, der diesen Wiener Krimi lesenswert macht. Zum einen ist es der etwas eigenwillige Held, der Tempo und Atmosphäre vorgibt. Zum anderen sind es die vielen kleinen Nebenhandlungen und Schauplätze. Korbers Techtelmechtel mit einer Schülerin, zum Beispiel, oder das Verschwinden eines Jugendlichen, die Zweckentfremdung von Spendengeldern, ein verschwundenes Geldkuvert und ein undurchsichtiger Bezirkspolitiker. Das alles wird mit Humor und flottem Schreibstil begleitet – ein paar gemütliche Lesestunden sind garantiert.

 

 

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