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Fred Rumpl: Jäger auf Hasenjagd

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Der Feldhase ist weg! Nicht irgendein langohriges Hoppeltier, sondern der berühmteste aller Hasen. Ja, der von Albrecht Dürer. Dieses unverkäufliche Bild ist aus der Albertina in Wien gestohlen worden. Die Außenministerin ist ganz aus dem Häuschen und richtet dem Museumsdirektor über die Medien aus, dass seine Tage gezählt sind. Eine gute Gelegenheit für Jakob Jäger: Der Privatdetektiv ist arbeitsmäßig nicht gerade ausgelastet und die Raten für seine BMW müssen auch gezahlt werden. Kurzerhand kontaktiert er den Direktor, Viktor Nemec, und bietet ihm seine Dienste an. Der Direktor, der der Polizei nicht alles erzählen kann, willigt ein. Dürers Hase ist pikanterweise während einer Privatführung, die der Direktor für drei Kunstsammler veranstaltet hat, geraubt worden. Und weil der Direktor ziemlich eitel und überheblich ist, hat er – anstatt des üblichen Plagiats – das Original an den Platz gehängt. Jäger macht sich also zuallererst auf die Spuren von Nemec‘ Gästen. Und während diese Jäger nach Prag und Triest führen, bandelt er noch mit der hübschen Kartenverkäuferin und Nemec‘ Nichte, Lisa, an. Wer raubt ein Bild, das unverkäuflich ist? Mit dieser Kernfrage beschäftigt sich der Privatermittler Jakob Jäger gleich zu Beginn seines Falls. Er ist überzeugt, wenn er die Antwort hat, weiß er auch, wer der Täter ist. Aber das ist gar nicht so leicht. Die drei Hauptverdächtigen sind schon allein durch ihren Beruf schwierige Charaktere. Denn Jäger hat es hier mit Kunstsammler zu tun, mit Leuten, die ihr Leben unbezahlbaren Bildern gewidmet haben und denen Egozentrik und Eitelkeit zu eigen sind. Zu Beginn hat man noch den Eindruck, dass Jakob jemand ist, der durch eine wilde Jugendzeit als geläuterter und gestandener Mann dasteht. Doch im Laufe der Geschichte gewinnt der Protagonist immer mehr an Schärfe. Es stellt sich heraus, dass hier ein eher ungewöhnlicher Privatdetektiv am Werk ist und gar nichts mit einem „Schnüffler“ gemeinsam hat. Jakob ist belesen, in Philosophie, Kunst und Psychologie bewandert, verabscheut Schusswaffen und notiert sich seine Gedanken in sein Moleskine. Kurz: Er ist ein Intellektueller.

Bei all den Wechselfällen, die das Leben für Jakob bereithielt, war da etwas, dem er treu blieb. Weil es ihm treu blieb. Als wäre es ein guter Teil dessen, was in ihm rumorte. In den eher seltenen Mittellagen ganz selbstverständlich. Ganz oben oder ganz unten erst recht: Literatur, Philosophie, Kund. Der Stoff, aus dem immer noch die besten Träume sind! Es gab nicht viele Drogen, die einen auf Dauer nicht gerädert, verkatert oder völlig fertig zurückließen. Dankbar erinnert er sich mitunter an Szenen, Sätze, Gedanken und Bilder … Autoren, Regisseure, Denker und Maler. Es waren diese Männer und Frauen, die ihm geholfen haben, wenn er ganz unten war. Darunter auch dieser vom Leben gebeugte, charismatische Mann auf den Fotos da.

Aber kein Ermittler ohne Fehl und Tadel. Bei Jakob sind es die Frauen, die ihm Probleme bereiten. Gerade hat seine langjährige Freundin Vera mit ihm Schluss gemacht und ist mit ihrem Neuen nach Mauritius unterwegs, verabredet er sich auch schon mit Lisa, der Nichte des Direktors, die ihn nach Strich und Faden verführt. Und durch Lisa lernt er einen Maler kennen, der – wie Jakob im Kellerabteil feststellt – nicht nur eigene Bilder malt, sondern sich auch auf die Herstellung von Fälschungen spezialisiert hat. Noch kann Jakob die in alle Richtung verlaufenden Fäden nicht zusammenführen. Erst sein Aufenthalt in Triest und ein Anknüpfungspunkt zu den Freimaurern bringen ihn auf die Spur des berühmten Hasen.

In den ersten Kapiteln kommt einem gleich der aufsehenderregende Diebstahl der „Saliera“ aus dem Kunsthistorischen Museum 2003 in den Sinn. Auch hier war das Museum wegen Bauarbeiten eingerüstet und das Sicherheitspersonal wenig aufmerksam. Ich denke, Fred Rumpl hat diesen Fall mit Dürers Hasen weitergesponnen und versucht, eine Antwort auf die Frage zu finden, warum jemand etwas so Wertvolles und Bekanntes stiehlt – mit dem Wissen, dass auf dem Schwarzmarkt damit nichts zu holen ist. „Jäger auf Hasenjagd“ ist ein anspruchsvoller Krimi, der eigentlich – trotz ein paar Leichen – ohne Blut und Schießereien auskommt aber deshalb nicht unspannend ist.

Rezension: NR. 251
2. November 2011

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