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Ian McEwan: The Cement Garden

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Vier Teenager, ein großes Haus, Eltern, die kurz nacheinander sterben: zuerst der despotische Vater, ihm folgt seine schwerkranke Frau. Und plötzlich sind die vier auf sich alleine gestellt und meistern diese Situation recht eigentümlich: Aus Angst, in einem Heim zu landen und auseinander gerissen zu werden, beschließen sie, die Mutter im Keller einzuzementieren. Da die Familie abgeschieden lebt, hat ohnehin niemand vom Tod der Mutter was mitbekommen. Erst als der Freund der Ältesten sich näher mit der seltsam anmutenden Familie beschäftigt, geht er – getrieben von einem süßlichen Geruch aus dem Keller – der Sache nach.

„I did not kill my father, but I sometimes felt I had helped him on his way. And but for the fact that it coincided with a landmark in my own physical growth, his death seemed insignificant compared with what followed. My sisters and I talked about him the week after he died, and Sue certainly cried when the ambulance men tucked him up in a bright red blanket an carried him away. He was a frail, irascible, obsessive man with yellowish hands and face. I am only including the little story of his death to explain how my sisters and I came to have such a large quantity of cement at our disposal.“

Jack, der Ich-Erzähler ist 14 und der zweitälteste des Quartetts. Durch ihn erfasst der Leser am meisten die voran schreitende Verwahrlosung der Kinder und des Hauses nach dem Tod der Eltern. Verstört und völlig orientierungslos lebt er – wie auch seine Geschwister – in den Tag hinein. Es sind Sommerferien, die Tage lang und drückend heiß. Seine Versuche, sich seinen Geschwistern zu nähern, scheitern meist, der nicht beschreibbare Tod, die Unfähigkeit besonders über die Mutter zu sprechen, steht zwischen ihnen. Hinzu kommt, dass Jack an der Schwelle zum Erwachsenwerden steht. In dem Augenblick, als sein Vater an einem Herzinfarkt stirbt, beginnt Jack zu masturbieren.

Sexualität und die Entdeckung des eigenen und anderen Körpers spielen eine zentrale Rolle: das zu Beginn noch kindlich anmutende Spiel zwischen den Älteren, Jacks ständiges Onanieren, Tom (5) beschließt plötzlich ein Mädchen zu sein, – dies alles gipfelt in sexuellen Intimitäten zwischen Jack und und seiner Schwester Julie (17) gegen Ende des Romans. Begleitet wird dies alles von den vor sich hinfaulenden Lebensmitteln in der Küche, den Fliegen und Ratten, von den Ausdünstungen des ungewaschenen und ungepflegten Jack und vom Verwesungsgeruch der Mutter im Keller – verstärkt durch die heißen Sommertemperaturen.

„“Rats“, Sue said. When we reached the door the room was suddenly silent and I stopped. „Push,“ Sue said through her handkerchief. I did not move but now the door was opening on its own. I cried out and stepped backwards and saw that my sister was pressing with her foot near the hinge. The trunk looked like it had been kicked. The moddle bulged right out. The surface of the concrete was broken by a huge crack in some places half an inch wide. Sue wanted me to look down it. She put the torch in my hand, pointed and said something I could not hear. […]

„Did you see?“ Sue said. „The sheet is all torn and you can see her neightie underneath.“ For a moment we were very excited, as if we had discovered that our mother was in fact alive. We had seen her in her neightie, just the way she was. As we were going up the stairs I said, „The smell isn’t too bad once you get used to it.“ Sue half laughed and half sobbed and dropped the torch. Behind us we could hear the rats again. She took deep breaths and bent down to pick up the torch. As she stood up she said, „We’ll have to get more cement,“ and her voice was quite level.

„The Cement Garden“ ist ein äußerst interessantes Buch und das hoch gelobte Erstlingsbuch von Ian McEwan. Zu Recht auch: Auf wenigen Seiten erstellt McEwan ein vielschichtes Psychogramm junger Erwachsener in einer Extremsituation. Sein sachlicher Stil verstärkt das Grauen der Tabubrüche. Der Buch ist voll mit bedeutsamen Metaphern (Zement vs. Garten zum Beispiel), die jeden Englisch-Lehrer vor Freude hüpfen lässt. Der Roman ist in Originalfassung obendrein nicht schwer zu lesen. Ein Grund mehr also, zur Abwechslung einen Roman in Englisch zu lesen. Das Buch gibt’s übrigens auch als Reclam-Ausgabe mit Vokabularhinweisen.

Und wer keine Lust zum Lesen hat – weder auf Deutsch noch auf Englisch: Der Roman wurde von Andrew Birkin 1993 verfilmt.

Rezension: NR. 101
29. Mai 2008

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