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Lilith Saintcrow: Feuertaufe

feuertaufe

Es müssen nicht immer Vampire sein. Für jene, die mal eine Abwechslung brauchen, kann Saintcrows Serie rund um die Kopfgeldjägerin Dante Valentine eine Alternative sein. Dante ist eine Nekromantin und seit dem ersten Buch auch Halb-Dämonin und Geliebte des Ex-Dämons Japhrimel. „Feuertaufe“ (The Devil’s Right Hand) ist der dritte Teil: Mittlerweile hat sich Dante an ihren körperliches Update gewöhnt und auch an das Mal auf ihrer Schulter, das ihr der Teufel als Zeichen ihrer Zugehörigkeit zu Japhrimel eingebrannt hat. Mit Japhrimel zieht sie sich in eine Landhausvilla zurück und beginnt ihr Leben zu genießen. Doch da flattert die nächste Einladung des Teufels ins Haus, in der Luzifer Dante in sein höllisches Büro zitiert. Er verpflichtet sie für sieben Jahre als seine rechte Hand zu arbeiten und erteilt ihr den Auftrag, vier abtrünnige Dämonen einzufangen. Dante hat keine Möglichkeit dem Teufel eine Abfuhr zu erteilen und beschafft sich für die neue Aufgabe erstmal Hilfe. Mit Japhrimel und einer Söldner-Truppe heftet sie sich auf die Spuren der Dämonen. Doch je mehr sie erfährt, desto verwirrender wird der Auftrag und auch Japhrimels Verhalten wird immer seltsamer. Steckt er gar mit dem Teufel unter einer Decke? Kann sie ihrem Geliebten mit den schwarzen Flügeln noch trauen?

„Ich möchte deine Dienste in Anspruch nehmen, Nekromantin. Und ich bin bereit, dafür jeden Preis zu zahlen.“

Leck mich am Arsch! Ich arbeite nicht für den Teufel. Das letzte Mal habe ich meine Lektion gelernt. Mein Mund war trocken wie ein Fass reaktiver Farbe. „Was soll ich für dich erledigen?“

„Du genießt bei den Menschen großen Respekt, Nekromantin. Ich brauche eine neue Rechte Hand.“

Ich blinzelte, sah mir seine rechte Hand an und – ich konnte nicht anders – zählte die Finger. Fünf. Wie bei einem Menschen. Beziehungsweise vier Finger und ein Daumen, wenn man es ganz genau nehmen will.

„Wie es ausschaut, hast du deine noch“, platzte es aus mir heraus, und das Lächeln verschwand so schnell von Luzifers Gesicht, dass es mich nicht gewundert hätte, wenn es zu Boden gefallen und auf dem Steinboden zersprungen wäre. Die Kathedrale hallte von leisen Geräuschen wider: Geflüster, Gemurmel, Lachen. Ein dreckiges Lachen von der Sorte, wie man es in Albträumen zu hören bekommt.

„Mach dich nicht über mich lustig, Valentine.“ Der Smaragd auf seiner Stirn funkelte so ähnlich wie der Japhrimels, als ich ihm das erste Mal begegnet war. Dann erst begriff ich den Sinn seiner Worte. Japhrimels war Luzifers „Rechte Hand“ gewesen, sein ältester Sohn, getreuer Leutnant und Auftragsmörder.

Rechte Hand? Was soll der Scheiß? Ich kann nicht in der Hölle leben. Mich befiel ein Anflug von Panik.

Dann brach jemand in Gelächter aus. Beinahe hätte ich Japhrimels Stimme nicht erkannt. Sie dröhnte und donnerte durch die ganze Kathedrale. Staub löste sich vom Dach, Steine ächzten. Eine der Bankreihen verschob sich leicht unter dem Ansturm des Lärms. Das Mal an meiner Schulter flammte vor Begeisterung auf, als würde sich seine Hand in mein Fleisch bohren, um mich zu beruhigen, während seine Stimme die Luft zerriss.

Es ist eine post-apokalyptische Welt, die Saintcrow inszeniert. Das urbane, futuristische Setting und die vorherrschende Weltuntergangsstimmung ist das perfekte Ambiente für die schöne und kratzbürstige Protagonistin, der aufgrund ihrer übernatürlichen Fähigkeiten nur noch ein Vollblut-Dämon beikommen kann. Und als rechte Hand des Teufels braucht sie auch jedes Quäntchen Kraft und Geschicklichkeit, denn seltsame dunkle Wesen warten in schummrigen Hinterhöfen und Bars. Als sich Dante jedoch mit riesigen Höllenhunden befassen muss, beginnt sie langsam an sich selbst zu zweifeln. Sie fürchtet, der Aufgabe nicht gewachsen zu sein. Es dämmert ihr, dass vielleicht Luzifer mit ihrem Scheitern rechnet und das dies ein wichtiger Teil eines übergeordneten Plans sein muss.

Obwohl Saintcrow zur Genüge an vergangene Geschehnisse erinnert, würde ich den Lesern, die die Serie nicht kennen, das erste Buch „Teufelsbraut“ ans Herz legen. Die Rückblenden sind oft sehr schwammig und präsentieren keinen guten Überblick über Dantes Abenteuer. Zudem ist gerade der erste Teil mit Abstand der beste. Die Autorin hat es mit den nachfolgenden Geschichten nicht geschafft an die Faszination des ersten Romans heranzukommen. „Feuertaufe“ ist eher fahrig und willkürlich erzählt und kann nicht wirklich fesseln. Sprachliche Wiederholungen, bedeutungslose Szenen und platte Charaktere zerren eher an die Nerven, als dass sie sie zu kitzeln vermögen. Schade, denn die Basis für spannende Fantasy wäre eigentlich vorhanden.

Rezension: NR. 224
4. März 2011

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