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Andrea Maria Schenkel: Tannöd

„Wenns mich fragen, der Teufel hats geholt. Ja, der Deifel, der hats geholt die ganze Sippschaft.“ Und wen wundert’s, dass eine fünf köpfige Familie samt Magd mit einer Spitzhacke hingemetzelt wird – war doch die eigenbrödlerische Sippschaft selbst auch nicht heilig. Inzest und Bestechung sind halt keine Garantien für langes Leben. Tannöd: Flotter Mord und Totschlag auf bayerisch. „Tannöd“ ist kein klassischer Krimi – es ist Milieustudie, Drama, Protokoll und Almanach des katholischen Rosenkranzes in einem. Der Ablauf des grausigen Mordes auf dem Hof des Danner-Bauern wird mit Aussagen der Dorfbewohner rekonstruiert. Dazwischen lässt die Autorin das Geschehen selbst sprechen. Direkt und ohne Umwege erfährt der Leser vom Mord, von den Verdächtigen und von den Lebensumständen am Land nach dem Krieg.

Der recht kurze (weil flott erzählt) Roman ist das Debüt der bayrische Autorin (und Mutter und Hausfrau) Andrea Maria Schenkel und wurde 2007 mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnet. Aber trotz Top-Platzierungen auf Bestsellerlisten halten sich die positive Stimmen in Grenzen. Was ich nicht wirklich nachvollziehen kann: die Handlung ist spannend und konzentriert sich auf das Wesentliche, es gibt Spannung und subtile Hintergründigkeit. Und man möchte wissen, wer nun mit der Spitzhacke die verschrobenen Familie auf dem abgelegenen Hof erschlagen hat.

„Beide sind wir dagestanden und haben nur auf den Strohhaufen gestarrt. Keiner von uns, weder der Lois noch ich, hat sich gerührt. Einfach nur dagestanden sind wir.

Mein Herz hat so geschlagen, dass ich glaubte, es springt mir gleich aus der Brust heraus. Der Boden unter meinen Füßen wollte mich nicht mehr tragen, so weich sind meine Knie geworden. Mit meiner ganzen Kraft hab ich mich am Lois festgehalten und er sich am mir.

Alles war so unfassbar, so unsäglich.

Wie der Hauer das Stroh beiseite geschoben hat. Wie er einen nach dem anderen von Stroh befreit hat. Den Danner, die kleine Marianne, ihre Großmutter und ganz zuletzt auch noch die Barbara. Alle waren sie blutüberströmt, mir grauste so, ich konnte sie gar nicht richtig anschauen.

Alles um mich herum war grässlich. Wie in einem Albtraum. Wie wenn „die Trud“ auf dir sitzt und dir die Luft zum Schnaufen abdrückt. Raus wollte ich, nur noch weg von diesem Ort.“

Rezension: NR. 96
[ssba]
20. April 2008

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