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Christopher Moore: Fool

fool

„Dies ist ein derber Schwank, randvoll mit entbehrlichem Beischlaf, Mord, allerlei Maulschellen, Verrat und einem ehedem ungeahnten Maß an Geschmacklosigkeit und Profanität, fürderhin unüblicher Grammatik, getrennten Infinitiven, und hier und da einem Onanisten. Solltet Ihr Euch an derlei stören, dann – edler Leser – wandelt Eures Weges, denn unser Streben gilt allein der Unterhaltung, nicht der Kränkung. Wenn Ihr aber glaubt, solcherlei könnte Euch Freude bereiten, dann haltet Ihr genau das rechte Buch in Händen!“

Diese Warnung, die der Autor seinem jüngsten Werk „fool“ voran stellt, ist nicht nur zutreffend, sondern sollte auch wörtlich genommen werden. Denn der Amerikaner (!) Christopher Moore geht hier an die Grenze der Blasphemie: Er nimmt nicht irgendeine Tragödie – nein, „King Lear“ muss es sein – her und spinnt aus Shakespeares dramatischer Lyrik eine Komödie – ja, eine satirische Narretei sogar -, die eine gesunde Einstellung zu Sex, Erotik und Gewalt seitens des Lesers voraussetzt. Nichts für Shakespeare-Jünger!

Hier eine kurze Zusammenfassung für jene, die „King Lear“ nicht parat haben: Der König von Britannien ist alt und möchte sein Reich auf seine drei Töchter aufteilen. Dazu stellt er ihnen die Frage, welche ihn am meisten liebt. Zwei der Töchter beteuern offenkundig auf scheinheilige Weise ihre Liebe, während die dritte und jüngste ihm erklärt, dass sie ihn eben so liebe, wie eine Tochter ihren Vater zu lieben habe, nicht mehr und nicht weniger. Der König ist gekränkt und verstößt darauf seine jüngste Tochter. Sein Reich teilt er auf die älteren Schwestern auf. Und somit hat der König seine Pension verspielt, denn die Älteren – egoistisch und gierig wie sie sind – wollen nun mal alles und stechen dabei nicht nur den König, sondern auch sich selbst aus. Lears Hofnarr spielt bei dieser Tragödie eine nicht unwesentliche Rolle: Nicht nur, dass er den König vor der Entscheidung die jüngste Tochter zu verbannen, warnt, er ist es auch, der, als der König später völlig entmachtet wird, bei ihm bleibt und ihm die Treue hält.

Cristopher Moore erzählt nun diese Geschichte nach, wobei nicht der König, sondern sein Hofnarr „Pocket“ die Hauptrolle inne hat. Und dieser geizt nicht mit flotten, satirischen Sprüchen, und mischt dadurch die britannische Politik ordentlich auf. Im Wickel um Macht und Gerechtigkeit stehen im der Geist aus „Hamlet“ („denn ohne Geist geht’s wohl nicht“) und die drei Hexen aus „Macbeth“ zur Seite.

Kenner von Shakespeares „King Lear“ wissen, dass sie eine stürmische, blutige und durch die vielschichtigen Verwandschaftsverhältnisse der Figuren etwas komplizierte Geschichte erwartet. Mit Moores „fool“ wird die Handlung durch bissigen (aber nicht unintelligenten!) Witz und derben Sex erweitert.

„Pocket, du Halunke, du hast mich in eine Komödie gelockt!“

„Nun, für manchen mag es eine sein, ja.“

„Als ich den Geist sah, dachte ich, die Tragödie sei mir sicher.“

„Stimmt, in Tragödien geht’s nicht ohne Geist.“

„Aber die Verwechslung, die Unkeuschheit, das leichte Thema, der Mangel an Ideen -, es ist doch zweifellos eine Komödie. Für eine Komödie bin ich nicht richtig gekleidet. Ich bin ganz in Schwarz.“

„Genau wie ich, und dennoch sind wir hier.“

„Also ist es eine Komödie.“

„Eine schwarze Komödie…“

„Ich wusste es.“

„Für mich zumindest.“

„Dann eine Tragödie?“

„Der Geist weckt eine Ahnung, was?“

„Aber diese ganze sinnentleerte Vögel- und Wichserei?“

„Geniale Irreführung.“

„Du nimmst mich auf den Arm.“

„Tut mir leid, aber nein. In der nächsten Szene erwarte dich eine pikeniere Überraschung.“

„Dann werde ich also von einem Spieß durchbohrt?“

„Zum großen Vergnügen des Publikums.“

„Och, Mann!“

„Aber es gibt auch eine gute Nachricht.“

„Ja?“

„Für mich bleibt es eine Komödie.“

„Mein Gott, du bist ein nerviger Wicht!“

„Hasse das Stück, doch nie den Mimen, mein Freund! Hier, lass mich den Vorhang halten! Hast du mit diesem silbernen Dolch noch was Bestimmtes vor? Wenn du nicht mehr da bist, meine ich?“

„Eine blutige Komödie…!

„Tragödien enden immer tragisch, Edmund, doch das Leben geht weiter, nicht wahr? Der Winter unserer Unzufriedenheit wird unweigerlich zum Frühling eines neuen Abenteuers. Wiederum nicht für dich.“

Leseprobe „fool“

Rezension: NR. 135
[ssba]
17. Juni 2009

Deine Meinung über dieses Buch:

No comments
  • Igor sagt:

    unsere ausgabe ist vom verleih schon so abgegriffen, dass es fast schon schade um das gute buch ist momentan ist es in den händen eines jungen zwangs-gefreiten (ja, bei uns gibt’s noch eine wehrpflicht). bin schon total auf seine meinung gespannt.

  • bertram sagt:

    Herzlichen Dank für diese Empfehlung. Habe das Buch leider erst hier entdeckt, aber schon zweimal mit Erfolg verschenkt. Dieses Thema mal zum Lachen, aber ohne dabei ins Lächerliche und Banale abzudriften, wie Ihr schreibt. Genau das ist der Reiz. Gruss

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