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Ian McEwan: Unschuldige

Der junge und naive Engländer Leonard wird 1955 als Fernmeldetechniker nach Berlin geschickt. Im Auftrag des britischen und amerikanischen Geheimdienstes soll er bei der verdeckten Operation „Gold“ mitarbeiten: Ein geheimer Tunnel, der zum sowjetischen Sektor führt, wird dazu verwendet, die Russen abzuhören. Was sich jetzt nach Spionageroman anhört, ist mehr ein Krimi und eine Liebesgeschichte. Und wer mit McEwan vertraut ist, der weiss, dass ihn eine spannende und brilliant erzählte Geschichte erwartet. Mitten in der Ausführung seines Auftrags lernt der (noch jungfräuliche) Leonard die Deutsche Maria kennen. Die junge Liebe ist überschattet durch Marias Ex-Ehemann Otto, der ihr des öfteren auflauert und Geld fordert. Bei einem solchen Überfall kommt es zu einem Kampf, der Ex wird von Leonard erschlagen.

Und was dann den Leser auf den nächsten Seiten erwartet, sträubt einem die Nackenhaare: Mit Liebe zum Detail beschreibt McEwan die Zerstückelung des Ermordeten und seinen Transport in einem Koffer quer durch Berlin. Die Konsequenzen des Mordes führen schliesslich zum Einsturz des Tunnels und Scheitern der Abhörmission. Der Mord führt auch zum Bruch zwischen Leonard und Maria. Leonard kehrt nach England zurück, Maria verschwindet… Über 30 Jahre später schreibt sie einen Brief an Leonard, in dem sie die damaligen Handlungen erklärt. Und es wäre nicht McEwan, wenn nicht noch kurz vor Schluß die ganze Geschichte kippen würde.

Der Highlight dieses Romans ist definitv die blutige Beschreibung des Kampfes zwischen Leonard/Otto und seinen Folgen. Das Buch ist flüssig und in McEwan-Manier geschrieben. „Unschuldige“ wurde auch verfilmt: Er kam in den 30er Jahren unter dem Titel „… und der Himmel steht still“ in die deutschen Kinos. 1993 wurde das Buch nochmal verfilmt („The Innocent“), mit Anthony Hopkins und Isabella Rossellini in den Hauptrollen.

Ian McEwan: der Tagträumer

Ian McEwan: Saturday

Rezension: NR. 17
28. Februar 2007

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