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A. Lee Martinez: Eine Hexe mit Geschmack

Eine Hexe ohne Namen, eine fleischfressende Ente, ein intellektueller Troll, ein romantischer Besen und ein tugendhafter Ritter sind als skuriles Quintett auf der Spur eines übermächtigen Magiers, der eine neue Welt erschaffen und die alte dabei natürlich restlos zerstören möchte. Hauptrolle spielt die wunderschöne aber fluchbeladene Hexe: mit Unsterblichkeit gesegnet und zum Verführen verdammt, kämpft sie auf knapp 400 Seiten mit dem Drang, an den Ohren des geliebten weißen Ritters zu knabbern, an seinem Gesicht zu nagen und ihre Zähne in sein Fleisch zu versenken. Flotte Unterhaltung, wenn man mit Schnupfen im Bett liegt.

Die Hexe ohne Namen wird als 6. und damit (vom Fiesen Larry) verfluchtes Kind geboren. Untot, das Tageslicht fürchtend und nur rohes Fleisch essend wird sie vorerst von ihren Eltern im Keller versteckt bis sie von der Grausigen Edna aus dem Loch zu sich nach Hause geholt und in Zauberei und Magie unterrichtet wird. Als die Grausige Edna von zwei Gestalten erschlagen wird, ist es für die Hexe Zeit, sich auf den Weg zu machen. Begleitet wird sie von Molch, einem Dämon in Gestalt einer scheinbar harmlosen Ente, und Penelope, dem treuen Hexenbesen. Das erste Ziel ist Fort Handfest, eine Ansiedlung von ausrangierten Soldaten, die von einer Horde menschenfleisch-fressender Monster bedroht wird. Anscheinend traut der Autor einer einzelnen Frau die Problemlösung nicht zu und schickt einen kräftestrotzenden und durch und durch tugendhaften Held aufs Schlachtfeld:

„Ich bin Wyst aus dem Westen, Verteidiger der Schwachen, Zerstörer des Schändlichen, eingeschworener Kämpfer des Anstands, anerkannter Feind des Bösen.“

Und hier ergibt sich nun das wirkliche Problem: Wyst ist durch einen Schwur verpflichtet, seine Tugend und Sittsamkeit zu bewahren, was soviel heißen soll, dass er nichts mit Frauen anfangen darf. Die Hexe wiederum ist zum Verführen geschaffen und entwickelt dabei auch noch einen Mords-Appetit. Bei all diesen inneren Konflikten ist der Show-Down mit dem ultimativen Bösen gegen Ende des Romans eigentlich nur noch eine Nebensächlichkeit.

Der amerikanische Autor A. Lee Martinez ist mittlerweile bekannt dafür, dass er seine Fantasy-Geschichten mit viel Augenzwinkern erzählt: humorvoll, stellenweise witzig – allerdings mit weniger ironischem Unterton à la Pratchett. Wenn man ohne große Erwartungen an’s Lesen geht, hat man den Lacher auf seiner Seite.

Rezension: NR. 123
14. Februar 2009

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