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Neil Gaiman: Das Graveyard Buch

Das Graveyard-Buch

Bod hat eigentlich eine behütete Kindheit: Seine Eltern lieben ihn, von seinem Vormund wird er beschützt. Wen kümmert’s, dass seine Eltern schon vor Jahrhunderten beerdigt worden sind, sein Zuhause ein Friedhof ist und dass das Nachbarsgrab das Tor zur Hölle ist. Bod lebt, seit er Laufen kann, auf einem still gelegten Friedhof. Seine Familie wurde vom Auftragskiller Jack ermordet; nur er konnte durch Zufall dem Gemetzel entgehen. Der Knabe wächst nun im Schutz der Toten und Untoten heran – aber Jack der Killer hat das Kind nicht vergessen. Gleich auf den ersten Seiten wird Bods ganze Familie ermordet. Nur weil Bod vor kurzem erst das Laufen gelernt hat, kann er entkommen. Und weil’s der Autor so will, krabbelt das Baby zum nahegelegenen Friedhof, dem einzigen Ort, der ihm Schutz bieten kann. Mrs Owens, schon seit einer Ewigkeit in ihrem Grab zu Hause (und zu Lebzeiten kinderlos), entdeckt das Kind:

„“Ich fress einen Besen, wenn das kein Baby ist“, entfuhr es Mr Owens.

„Natürlich ist es ein Baby“, sagte seine Frau. „Aber die Frage ist doch, was machen wir mit ihm?“

„Das ist in der Tat die Frage, gnädige Frau“, sagte ihr Gatte. „Aber es ist nicht unsere Frage, denn dieses Baby leibt und lebt und hat folglich nichts mit uns und unserer Welt zu tun.“

„Schau doch nur, wie es lächelt!“, sagte Mrs Owens.

„So ein süßes Lächeln.“ Und mit Geisterhand strich sie ihm über das spärliche blonde Haar. Der kleine Junge kicherte vor Freude.

Die Bewohner des Friedhofs merken bald, dass das Baby verfolgt wird und beschützten es vor dem Killer. So kommt das Baby zu neuen Eltern, einem Untoten als Vormund und zu seinem neuen Namen: Nobody „Bod“ Owens.

Sämtliche Friedhofsbewohner kümmern sich liebevoll um ihren jungen Ehrenbürger, um sein Wohlergehen und seine Erziehung: Die einst am Scheiterhaufen verbrannte Hexe, der Römer Caius Pompeius, der erfolglose Dichter Nehemiah Trotz (1741-1774, Schwäne singen, bevor sie sterben), der Nachthund Miss Lupescu und allen voran sein geheimnisvoller Vormund Silas, ebenfalls Ehrenbürger des Friedhofs. Und so erlebt Bod eine unbeschwerte Kindheit auf einem Friedhof voll mit alten, überwucherten Gräbern, halb eingefallenen Gruften und verwitterten Grabsteinen – bis ihn schließlich doch die Vergangenheit einholt und gleichzeitig ihn sein Drang in die Außenwelt führt.

Eine kurzweilige Unterhaltung für Fantasy-Fans: Die Geschichte des Waisenkind Bod ist zügig und gefühlvoll erzählt und eignet sich auch für junge Leser. „Das Graveyard Buch“ ist der aktuelle Roman des vielseitigen Fantasy-Autors Neil Gaiman, der auch schon mal mit Terry Pratchett gemeinsame Sache („Ein gutes Omen„) gemacht hat. Unter anderem ist er auch mit seiner Comic-Serie „Der Sandmann“, „Der Sternenwanderer“ und mit dem Verfassen des Drehbuchs zum Film „Beowulf“ bekannt geworden.

Rezension: NR. 124
24. Februar 2009

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