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Carlos Ruiz Zafón: Der Fürst des Nebels

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Der spanische Autor Carlos Ruiz Zafón wurde eigentlich erst mit „Der Schatten des Windes“ und „Das Spiel des Engels“ so richtig bekannt. Seine schriftstellerische Karriere hat er jedoch mit dem Schreiben von Jugendbüchern begonnen. „Der Fürst des Nebels“ erschien 1993 und ist der erste Roman Zafóns, der veröffentlicht wurde und für den er den spanischen Jugendliteraturpreis bekommen hatte.
London, 1943: Der Krieg wütet am Kontinent und nähert sich unaufhaltsam der Insel. Der Uhrmacher und Erfinder Maximilan Carver befürchtet das Schlimmste und beschließt mit seiner Familie in ein verschlafenes Dorf an der Küste zu ziehen. Seine drei Kinder, allen voran der 13-jährige Max, sind wenig begeistert. Als sich das neue Zuhause auch noch als heruntergekommen und renovierungsbedürftig entpuppt, hält sich die Begeisterung für den Umzug in Grenzen. Erst als Max und seine ältere Schwester Alicia Roland, den Enkel des Leuchtturmwärters, kennen lernen, beginnen sie sich langsam mit der neuen Umgebung anzufreunden. Doch unheimliche Träume, ein verwachsener Skulpturengarten und die Geschichte eines Jungen, der vom Fürst des Nebels geholt worden ist, trüben die Sommeridylle.

Das Gruseln beginnt mit einer Katze: Kaum ist die Familie Carver am Bahnhof des Küstenstädchens angekommen, läuft ihnen eine kleine Katze zu. Irina, die jüngste der drei Kinder, ist hellauf begeistert und nimmt das Tier in Beschlag. Auf Max aber macht die „Killerkatze“ durch ihre kalten Blicke und ihre Vorliebe für faustgroße Spinnen einen bedrohlichen Eindruck. Und dann ist da auch noch der am Grundstück angrenzender Skulpturengarten. Immer in dichten Nebel gehüllt stehen sternförmig angeordnet steinerne Statuen. In ihrer Mitte entdeckt Max einen befremdlich aussehenden Clown:

Er ließ seinen Blick über die einzelnen Statuen wandern, die von wildem Gras umgeben waren, das sich im Wind wiegte. Dann widmete er sich wieder dem großen Clown. Ein Schauder lief ihm den Rücken hinunter, und er wich einen Schritt zurück. Die Hand der Figur, eben noch zur Faust geballt, war nun zu einer einladenden Geste geöffnet. Max spürte, wie die kalte Morgenluft in seiner Kehle brannte und das Blut in seinen Schläfen pochte.
Langsam, als fürchtete er, die Skulpturen aus ihrem ewigen Schlaf zu wecken, ging er zu dem Gittertor in der Mauer zurück, nicht ohne sich bei jedem Schritt nach hinten umzusehen. Sobald er durch das Tor geschlüpft war, rannte er los und sah nicht mehr zurück, bis er den Zaun des Hinterhofs erreichte. Als er sich umdrehte, war der Skulpturengarten wieder im Nebel verschwunden.

Erst als Max Roland kennen lernt, kann er für wenige Augenblicke seinen Träume und seine irrationale Angst, die er seit dem Umzug hat, vergessen. Als sich Alicia den beiden anschließt und sich das Mädchen in Roland verliebt, scheinen die Sommerferien perfekt. Doch als die drei einen Tauchausflug zu einem versunkenen Frachter unternehmen, beginnt sich das Unheimliche zu verdichten. Der Fürst des Nebels wartet nur noch auf den geeigneten Moment eine Bringschuld einzufordern. Und das hat so einiges mit dem ertrunkenen Jungen zu tun, der vor Jahren in dem Landhaus der Carvers gewohnt hat, zu tun. Ebenso spielen Roland und sein Großvater eine Rolle bei einem längst vergessenen Handel. Immer mehr verstricken sich Max und Alicia in die dunklen und mystischen Machenschaften des Fürsten.

Dieses Buch zieht einen – auch wenn man jenseits der 14 ist – gehörig in den Bann. Aber nicht nur die mitreißende Spannung ist es, was diesen Roman ausmacht. Zafón erzählt in stimmungsvoller und sprachgewandter Manier über die Erlebnisse dreier Teenager, die durch eine unheimliche Gefahr zusammengebracht werden. Ein schaurig schönes Lese-Erlebnis – auch für große Leser!

Rezension: NR. 207
13. Dezember 2010

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