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Stella Blómkvist: Die Bronzestatue

Stella Blómkvist ist zum einen das Pseudonym der Autorin, zum anderen der Name der Hauptfigur dieses isländischen Krimis. Stella ist jung, fesch, g’scheid, tough, emanzipiert – selbstverständlich auch sportlich, sexy und so einen Mordfall an einer Mitarbeiterin im isländischen Ministerium löst sie im Handumdrehen. Fazit: Das Pseudonym hat sich wirklich bemüht, pseudo zu bleiben. Das passiert mir nicht oft: Ich weiß schon vor der Hälfte der Geschichte, wer wen ermordet hat. Und wie’s weiter geht. Und bei solchen Gewissheiten, die sich nach der Hälfte manifestieren, ist man sehr schnell versucht, sich über die Ermittler zu ärgern, wie doof sie sich anstellen. Und das Weiterlesen kann nur mit einer naiven Gutgläubigkeit an die Welt erklärt werden.

Zugegebenermaßen: Der Roman beginnt ja noch recht ungewöhnlich: Eine Frau, eine Rechtsanwältin – unsere Ermittlerin! – ärgert sich. Sie ist auf dem Weg zur Arbeit.

„“Scheiß Leben!“

Na endlich! Meine japanische Schrottkarre kriecht im Schneckentempo mit durchdrehenden Rädern aus der Parklücke und den steilen Abhang hinauf. Hat mit Sicherheit irgendeinem Schlaumeier einige Millionen eingebracht, diese Glatteis-Rutschbahn zu konstruieren.

Ich selber bin auch schon ganz durchgedreht. Hämmere mit den Fäusten aufs Lenkrad, das unter meinen Schlägen erzittert, und fluche aus tiefster Seele auf dieses Hundewetter, die Schneeschieber, die die Straße immer viel zu spät freiräumen, und die Ganoven aus der Politik, die den ganzen Klüngel auch noch steuern. Und dann natürlich auch auf den Vollidioten, der sich von der Kripo hat erwischen lassen, damit ich am frühen Sonntagmorgen aus dem Bett geklingelt werde. Und obendrein auch noch diese Scheißkälte.

„Minderbemittelter Schwanzträger!““

Hoppala! Hier geht’s offensichtlich um eine obrigkeits- und männerhassende Frau, die weder Auto fahren kann noch am Sonntag arbeiten mag. Und was die erste Seite verspricht, wird bis zum Schluss konsequent durchgezogen. Stella wird von einem vorbestraften Widerling beauftragt, ihn zu vertreten. Seamundur „Saemi“ Jónasson wird beschuldigt, Halla, eine ehrgeizige (und attraktive, intelligente, männerverschleissende etc.) politische Mitarbeiterin, ermordet zu haben. Ziemlich schnell ist sich Stella sicher, dass ranghohe Politiker und der lokale Porno-König die Finger im Spiel haben. Als Anhaltspunkte dienen ihr die beste Freundin der Ermordeten, Lilja, und ein vorerst geheimnisvoller Unbekannter, der ihr Informationen zuspielt. Die im Titel angesprochen Bronzestatue kommt auch vor – allerdings als Nebenrolle.

Manche Leser finden „Die Bronzestatue“ als einen Krimi mit einem“unterhaltsamen und spritzigen Stil“. Andere bezeichnen die Protagonistin liebevoll als sympathisch und herrlich schnoddrig. Wenn ich noch mal die Chance hätte, das Buch nicht zu lesen – ich würd’s tun. Ich würd’s nicht mal dann lesen, wenn mir ein „vergnüglicher Abend, wenn es draussen regnet“ versprochen wird.

Rezension: NR. 103
[ssba]
31. Mai 2008

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