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Bernhard Barta: Sissis Tod

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Salzkammergut Krimi von Bernhard Barta – Sissis Tod

Der Titel deutet an, wohin uns der Debüt-Krimi von Bernhard Barta führt: ins oberösterreichische Salzkammergut – dort, wo Kaiserin Sissi einst ihren Franzl kennen und lieben gelernt hat – nach Bad Ischl. Und auch wenn der Roman in der Gegenwart spielt, hat sich der Autor bemüht, ihn mit viel kaiserlichen Sound-of-Music-Stoff zu würzen. Man könnte glatt vergessen, dass es trotz dieser Postkarten-Idylle um einen Mord geht …

Ausgerechnet die Frau des Bürgermeisters von Bad Ischl findet bei ihrem früh morgendlichen Spaziergang mit ihrem Hund „Franzl“ am Siriuskogel eine Leiche. Eine schöne Leiche, wohlgemerkt: Wie ein „gefallener Engel im Morgenlicht“ liegt sie im Wald, mit einem von dunklen Locken eingerahmten Gesicht und einem hochgerutschten Abendkleid. „A fescher Has!“, bemerkt Wachtmeister Gamperl treffend und weist gleichzeitig auf das Fehlen des Höschens hin. Inspektor Gustl Brandner aus Gmunden beginnt zu ermitteln und findet schnell heraus, dass dieser Mord eine touristische Katastrophe für Bad Ischl bedeutet. Die Tote ist nämlich niemand anderes als ein bekannter Hollywoodstar. Sie ist die Hauptdarstellerin des Filmes „Sissis Tod“, der gerade im Salzkammergut gedreht wird. Und wie der sanftmütige und melancholische Brandner bald aus diversen Quellen erfährt, hatte die halbe Crème de la Crème von Bad Ischl mit ihr in der Vergangenheit zu tun. Gut, dass Brandner die pensionierte Schauspielerin Greta Ott kennt: Zwischen heißer Milch mit Cognac und Erdbeerroulade weiht sie den Inspektor in die Umtriebe des Film-Business ein.

„Sissis Tod“ ist eigentlich kein Krimi. Es passiert auf den ersten Seiten zwar ein Mord, und er wird auf den letzten Seiten auch restlos aufgeklärt. Dazwischen ähnelt der Roman aber eher einem Reiseführer. Gustl Brandners Recherchen gleichen einer Beisl-Tour durch Gmunden und Bad Ischl: Im Goldenen Brunnen genießt der Inspektor ein Eggenberg Hopfenkönig, in der berühmten Konditorei Zauner einen Schnaps, in der Weinstube Spiesberger wieder ein Krügerl Eggenberg, usw. Mit Trachtenjacken, rot-weiß karierten Schürzenkleider und den traditionellen „Goiserern“ an den Füßen erinnern die Mitwirkenden an die alten Heimatfilme. Um das Lokalorit zu verstärken, streut der Autor regional typische Wörter wie „gfernzt“, „Funsn“ oder „Schinakl“ ein. Für Nicht-Österreicher gibt es diesbezüglich ein Glossar, das für den nächsten Urlaub im Salzkammergut sicher hilfreich ist.

Zur gleichen Zeit einen Steinwurf entfernt nahm auch Gustl Brandner gemütlich Platz. Die Esplanade war bummvoll. Zwar galt Zauners alte Konditorei in der Pfarrgasse als Ischls erster Tummelplatz, doch im Sommer bevorzugte der Brandner Zauners luftigen Gastgarten unter den alten Kaiserlinden. Der Brandner liebte das Vorbeirauschen der Traun, genoss die kostümierten Kaisersoldaten mit der falschen Gräfin oder dem Kurschatten am Arm. Genau der operettenhafte Ort, dachte Brandner, um sich einen Eiskaffee zu spendieren und nach Leuten zu spähen. Ein wenig, so viel gestand er sich ein, zog ihn auch der Gedanke hierher, dem Fräulein Bärbel nahe zu sein.

Dieser Roman des Oberösterreichers Bernhard Barta ist kein spannungsgeladener Krimi, sondern vielmehr ein sehr charmanter Roman, der die Liebe des Autors zu Land, Leute und Tradition offenbart. Mit detailliertem Wissen und liebevoll skizzierten Charakteren ist „Sissis Tod“ eine vergnügliche Reise an geschichtsträchtigen Orten am Traunsee. Wer schon einmal dort seinen Urlaub verbracht hat, wird die Atmosphäre dieser Region wieder erleben. Wer selbst aus diesem Teil des Salzkammerguts ist, wird seinen Spaß an dieser Geschichte haben, denn er wird einige Parallelen zu lebenden Persönlichkeiten entdecken.

„Sissis Tod“ ist im Haymon-Verlag erschienen und kann auch dort direkt bestellt werden. Wir bedanken uns beim Haymon-Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

Rezension: NR. 303
[ssba]
16. August 2013

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