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Holly-Jane Rahlens: Everlasting

everlasting

Die Welt im Jahr 2264 ist bei der amerikanischen Autorin Holly-Jane Rahlens gar nicht düster wie bei anderen Büchern, die in der Zukunft spielen. Es herrscht Frieden. Probleme werden mit Pragmatismus und Logik gelöst. Das Wetter wird weitgehend kontrolliert. Fossile Brennstoffe werden nicht mehr benötigt. Allerdings gibt es auch das geschriebene Wort nicht mehr. Und das kleine Wörtchen „ich“. Und die romantische Liebe.

Der Protagonist dieser Love-Story ist ein knapp 30-jähriger Historiker, der beauftragt wird, ein Tagebuch aus dem Jahr 2003 zu entschlüsseln. Zuerst noch konsterniert, dass das Tagebuch von einer pubertierenden Teenagerin stammt, ist der einfühlsame Finn aber bald von den Einträgen und von dem Mädchen fasziniert. Kaum hat Finn das Erste von mehreren Tagebüchern des Mädchens übersetzt, wird er mit einem weiteren Projekt beauftragt: Er soll ein Virtual-Reality-Game testen. In diesem Spiel geht es darum, das Berlin des 21. Jahrhunderts zu entdecken. Er lässt sich auf diese virtuelle Reise ein und begegnet dadurch seiner Tagebuch-Schreiberin Eliana. Und je mehr Finn über Eliana weiß und je öfter er ihr bei seinen Ausflügen begegnet, desto mehr verliebt er sich in sie. Doch dann kommt Finn dahinter, was dieses Spiel wirklich ist, dass alles von langer Hand geplant ist und dass er eigentlich nur ein Versuchskaninchen ist.

Das Buch ist eine kurzweilige Unterhaltung, so richtig angesprochen hat es mich leider nicht. Die Vorstellung der Autorin, wie die Welt in 250 Jahren ausschauen könnte, habe ich als kreativ empfunden. Abgesehen davon ist das Thema des Zeitreisens in der Literatur sehr beliebt. Man kann also damit nicht wirklich viel falsch machen. Witzig fand ich auch die Kommentare über die Mode der 90er (Schulterpolster bis nach Reykjavík) und der jetzigen Gegenwart. Leider schwächelt die Geschichte inhaltlich etwas. Zudem liefert mir die Autorin nur ungenügende Antworten, wenn es um die Problematiken des Zeitreisens geht. Auf die unausweichliche Frage, ob z.B. Reisen in die Vergangenheit die Gegenwart und die Zukunft beeinflussen könnten, wird dies so erklärt:

Es mag vorübergehend so aussehen, als wäre etwas verändert worden, aber unsere gute alte Erde bringt alles wieder auf die richtige Bahn.

Und: Kann man sich bei den Zeitreisen eigentlich sich selbst begegnen?

„Um diese Frage zu beantworten, Mr. Nordstrom, sind mathematische Kenntnisse erforderlich, über die sie nicht verfügen.“

Ich habe mich auch gefragt, welche Zielgruppe dieses Buch ansprechen mag. Die Hauptperson ist ein Mann, mit einem gefühlvollen Charakter ausgestattet, der gut zur romantischen Liebesgeschichte passt. Also würde ich mal sagen, dass männliche Leseratten dieses Buch eher nicht kaufen würden. Da die Handlung und der Schreibstil einfach gehalten sind, liegt es nahe, dass die Autorin ein jüngeres Publikum ansprechen will. Allerdings sind die handelnden Personen, außer die junge Eliana, um die 30 Jahre und älter. Ist dieses Buch also für Mädchen gedacht, die sich mit den Problemen von Erwachsenen identifizieren können oder ist es ein Buch für erwachsene Frauen, die eine unkomplizierte Sprache und eine leicht verdauliche Handlung bevorzugen?

Rezension: NR. 262
1. März 2012

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