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Richard K. Breuer: Die Liebesnacht des Dichters Tiret

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„Mosaik der französischen Revolution in mehreren Bänden – Band I – Mirabeau – 1788“: So lautet der Untertitel dieser facettenreichen Roman-Serie. Bevor nun demnächst der zweite Band „Brouillé“ erscheint, hier nun mehr über den Beginn der Erzählung, in der – neben einem verliebten Intellektuellen – die Anfänge der französische Revolution die Hauptrolle spielen: Nachhilfe in europäischer Entwicklungsgeschichte mit einem Hauch von Mantel-und-Degen.

Sommer 1788. Als der Gelehrte Aleksander Mickiewicz sich in die schöne Madeleine, Tochter eines polnischen Aristokraten, verliebt, ahnt er noch nichts von den mysteriösen Umständen seiner Herkunft und von den Ereignissen, die ihn bald unversehens in die politischen Umbrüche hineinziehen werden.

In Begleitung des geheimnisvollen, zuweilen verschrobenen Marquis d’Angélique begibt er sich auf eine gefährliche Reise nach Frankreich und begegnet dem Vordenker der Revolution Graf Mirabeau und weiteren historischen Personen wie Frédéric Baron von Dietrich, Antoine Barnave, Gräfin La Guyomarais, Manduit, Gräfin de la Fonchais usw. Die Weltbild von Aleksander beginnt, am Vorabend der französischen Revolution, aus den Fugen zu geraten.

Der Wiener Autor Richard K. Breuer hat die Aufgabe, einen historischen Roman spannend und programmatisch zugleich rüber zu bringen, einfallsreich gelöst. Fiktives wechselt sich mit Fakten ab – politisch-philosophische Gedanken, die der französischen Revolution zu Grunde liegen werden so präsentiert, dass auch ein historischer Laie sie nachvollziehen kann.

Damit es aber mit der geschichtlichen Geschichte nicht zu langweilig wird, baut Breuer zudem konfliktträchtige Romantik (Intellektueller verführt scheinbar ahnungsloses Mädchen und schwängert sie auch noch bevor sie verheiratet sind), einen zwielichtigen Freund mit casanova’ischen Tendenzen und viele hübsche (und willige) Aristokratinnen ein. Aber dem nicht genug: Zu historischen Fakten/Zitaten (belegt durch zahlreiche Quellenverzeichnisse) und emotionalen Konflikten beschert uns der Autor eine für diese Zeit angemessene (sehr nasale) Sprache und einen Humor, der mich an die alten, österreichischen schwarz/weiß Filmen erinnert.

„Die Kapitulation ist noch nicht eingetroffen?“, fragt der französische Diplomat.

„Nau, wenn’s umsVerlieren geht“, antwortet der Österreicher, „da werden’s plötzlich fad, die Preußen. Aber beim Siegen, da sind’s die Ersten. Habt’s ihr schon gehört, dass sie die Schlacht für sich reklamieren?“

„Ist ja bitteschön unmöglich, weil ist ein Affront“, knurrt der Russe – „Die große russische Armee wird bald stehen in Berlin und sie machen der Zarin zum Geschenk. Sollen die Preußen schauen, wie wir Russen machen Krieg.“

„Ja, warum hat Ihr’s denn auf einmal so eilig? Sammeln wir bittschön unsere Kräfte, bevor wir dem Fritzl den Allerwertesten versohlen“, sagt der Österreicher – „Der preußische Adler, auch wenn er viele Federn hat lassen müssen, er bleibt gefährlich!“

„Verkehrte Welt, meine Herren“, resümiert der Franzose – „Sonst sind die Österreicher immer jene, die den Feind unterschätzen, die Russen jene, die ihn überschätzen. Wir sehen, jede Allianz lässt uns vom einstigen Feind lernen.“

Leseprobe „Die Liebesnacht des Dichters Tiret“

Der Buch-Trailer zur historischen Roman-Serie „Tiret“ von Richard K. Breuer mit Iris Maria Stromberger. Der Trailer ist allen bisherigen Mitgliedern des Club der 99 für MADELEINE, dem dritten Band der Serie, gewidmet.

Rezension: NR. 154
[ssba]
4. November 2009

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