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Michael Köhlmeier: Der Unfisch

Der Unfisch - ein Märchen von Michael Köhlmeier
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Wenn du einen Wunsch freihättest, was würdest du dir wünschen? Doch sicher nicht, dass ein verzaubertes Mädchen zurückverwandelt wird? Nein, es gibt ja so vieles Besseres: ein neuer Tennisplatz oder viel Geld in der Tasche. Köhlmeier erzählt in diesem schmalen Buch die Geschichte von Sophie Moor und wie sie entdeckt, dass sie Wünsche erfüllen kann, wenn man mit ihr schläft.

Es war einmal der Unfisch

Der Vagabund und Schausteller Roberto zieht von Dorf zu Dorf. Auf seinem Lastwagen hat er einen lebensgroßen ausgestopften Walfisch. In einem Dorf in den Bergen ereilt ihn überraschend der Tod. Weil die Dorfbewohner nicht wissen, was sie mit dem riesen Fisch tun sollen, stellen sie ihn auf den Dorfplatz ab. Ein paar Monate später taucht eine Frau im Dorf an. Es ist die schöne Sophie Moor, die Nichte des Verstorbenen. Da nun der Wal ihr Eigentum ist, beschließt sie mangels besseren Alternative, in diesem Monstrum zu wohnen. Zusammen mit Carl, einem jungen Mann, der von seiner Braut am Tag der Hochzeit sitzengelassen wurde, erkundet sie das museale Innenleben des Wals.

Aber auch ein Klapptisch stand da, ein schmales Bett, ein Schrank … – Das Streichholz erlosch.

Carl zündete ein neues Hölzchen an.

Sie machten einen Schritt nach vorne in das Maul des Wals. Da setzte ein Feuerwerk von Lichtern ein. Überall blinkte und glitzerte es. Über dem Bett hing ein riesiges Walherz, das pumpte rotleuchtendes Blut. Ein gignantischer Lungenflügel saugte und blies Luft an und aus.

Und weil Carl so traurig darüber ist, dass ihn seine angebetete Maria verlassen hat, und Sophie Mitgefühl mit dem jungen Mann hat, ergibt da eine das andere und sie schlafen miteinander. Doch Carls Gedanken sind nicht bei Sophie, sondern bei Maria. Mehr denn je wünscht er sich, dass sie zurückkomme. Und das Wunder geschieht: Als Carl aus dem Wal steigt, steht Maria auf dem Dorfplatz – einigermaßen verwirrt, denn zu Carl zurück zu kehren, war nicht ihre Absicht.

Sophie kommt kaum dazu, sich Gedanken über das Geschehene zu machen, taucht auch schon Carls Rivale der Hundemann im Maul des Walfischs auf. Zwecks eines Beweises geht sie auch mit ihm ins Bett. Doch der wünscht sich, dass Maria ein Hund wäre. Und so verwandelt sich Maria in einen Hund.

Sophie weiß nun über die Magie des Wals Bescheid. Sie ist über das Geschehene bestürzt und versucht das Geschehene rückgängig zu machen. Eigentlich braucht es dazu nur einen Mann, der sich wünscht, dass Maria wieder ein Mensch ist. Kann nicht so schwierig sein… Doch wenn man die Chance hat, dass ein Wunsch in Erfüllung geht, wird man sich dann nicht etwas wünschen, was einem selbst zu gute kommt?

Und so geht es auch Sophie. Niemand wünscht sich, dass Maria wieder ein Mensch wird. Es kommt noch schlimmer: Bald ist das ganze Dorf seiner egoistischen Gier verfallen.

Hast dich so bemüht, Sophie Moor, das Unglück, das aus dem Glück erwuchs, wieder in Glück zu verwandeln – und jetzt? Hast dich eingelassen mit dem Wal, hast zu spät erst gemerkt, daß er dich verschlingen will. Und jetzt? Jetzt kommst du ihm nicht mehr aus. Jetzt hat er dich!

Michael Köhlmeier ist ein begnadeter Erzähler. „Der Unfisch“ (ein Wal ist kein Fisch) ist so geschrieben, dass man meine könnte, eine Stimme erzähle dir dieses humorvolle Zaubermärchen. Die keine 100 Seiten fassende Geschichte über das Glück, das nicht glücklich macht, eignet sich hervorragend zum Vorlesen – sofern die Zuhörer keine Kinder sind.

Rezension: NR. 378
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2. Juli 2017

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