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Simon Beckett: Die Chemie des Todes

Nur für Leser, die sich nicht vor Maden, Fliegen, Psychopathen, Tierquäler und dem biologischen Verfall des menschlichen Körper grausen, geeignet! David Hunter versucht im abgelegenen, englischen Dorf Manham seine innere Ruhe wieder zu finden. Bei einem Autounfall hat der Mediziner Frau und Tochter verloren und da kommt ihm eine offene Stelle als Landarzt recht, um von London und der Vergangenheit zu fliehen. Seine Tätigkeit als Forensiker hat er seit dem Tod seiner Familie aufgegeben und widmet sich nun den Befindlichkeiten verschrobener Dorfbewohner. Die ländliche Idylle wird empfindlich gestört, als zwei Buben im Wald eine schrecklich entstellte und stark verweste Leiche finden.

EIN MENSCHLICHER KÖRPER beginnt fünf Minuten nach dem Tod zu verwesen. Der Körper, einst die Hülle des Lebens, macht nun die letzte Metamorphose durch. Er beginnt sich selbst zu verdauen. Die Zellen lösen sich von innen nach außen auf. Das Gewebe wird erst flüssig, dann gasförmig.

Kaum ist das Leben aus dem Körper gewichen, wird er zu einem gigantischen Festschmaus für andere Organismen. Zuerst für Bakterien, dann für Insekten. Fliegen. Aus den gelegten Eiern schlüpfen Larven, die sich an der nahrreichen Substanz laben und dann abwandern. Sie verlassen die Leiche in Reih und Glied und folgen einander in einer ordentlichen Linie, die sich immer nach Süden bewegt. Manchmal nach Südosten oder Südwesten, aber niemals nach Norden.

Niemand weiß, warum.

Mittlerweile sind die Proteine der Muskeln zerfallen und haben einen für die Vegetation tödlichen Chemiecocktail produziert. Durch die Larven, die über das Gras krabbeln, entsteht so eine Nabelschnur des Todes, die sich zu ihrem Ausgangspunkt zurückspannt. Unter den entsprechenden Bedingungen – warm und trocken beispielsweise, ohne Regen – kann sie meterlang werden, eine dicke, braune Schlangenlinie, die vor fetten gelben Larven zu pulsieren scheint.

Ein sonderbarer Anblick, der jeden Neugierigen dazu veranlassen würde, dieses Phänomen zurück zu seinem Ursprung zu verfolgen. Und so entdeckten die Yates-Brüder, was von Sally Palmer übrig geblieben war.

Es ist klar, dass die Polizei David bittet, ihnen bei den Ermittlungen zu helfen. Erinnerungen werden wach und David sträubt sich zuerst dagegen wieder als Forensiker zu arbeiten, doch als darauf noch eine zweite Leiche gefunden wird, kommt der Landarzt nicht mehr aus. Zwischen Pathologie, Nachmittagssprechstunden und neuer Liebe muss er sich auch noch mit den engstirnigen Dorfbewohner (insbesondere dem mediengeilen Pfarrer) auseinandersetzen, die so – wie in jedem Kaff – immer was gegen Fremde haben.

Mittlerweile gibt es ja schon einige Thriller, die einen Forensiker als Helden haben und die mit wissenschaftlichen Kenntnissen voll gestopft sind. Der berühmteste Vertreter Jeffery Deaver hat mit seinem Forensiker Lincoln Rhyme eine ganze Serie geschaffen. „Die Chemie des Todes“ ist der erste Thriller des englischen Autors Simon Beckett. Und als ob Deaver Becketts amerikanisches Vorbild wäre, ist bereits der zweite David-Hunter-Roman im Entstehen.

„Chemie des Todes“ hat alles, was ein guter Forensiker-Thriller haben sollte: einen problembehafteten und äußerst intelligenten Protagonisten, überschaubare und eigenwillige Statisten, wissenschaftliche Ausführungen und eine spannende Handlung mit einem überraschenden Ende. So gesehen, ein Thriller, der für Liebhaber dieses Genre zu empfehlen ist.

Rezension: NR. 68
[ssba]
4. Oktober 2007

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