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Terry Pratchett: Schöne Scheine

Rezension Terry Pratchett Schöne Scheine ein Scheibenweltroman

„Schöne Scheine“ ist nun der 31. und aktuellste Scheibenwelt-Roman und die Fortsetzung von „Ab die Post“ mit Feucht von Lipwick als eloquenten Anti-Helden und Ex-Gauner. Dieses Mal muss Feucht in Vetinaris Auftrag die städtische Bank auf Vordermann bringen und das gestaltet sich turbulent: Der Bankpräsident ist ein Hund, der Hauptkassier ziemlich sicher kein Normalo und Feucht bekommt es mit dem Adel, der Presse, der Wache und mit einem Heer von Golems zu tun.

Je kürzer die Röcke, desto schlimmer die Wirtschaftskrise

„Du hast nie Geld auf die Bank gebracht?“
„Nur hinaus, aber nicht hinein.“
„Was glaubst du, wie eine Bank funktioniert?“
„Ich würde sagen, man nimmt das Geld von reichen Leuten und verleiht es gegen Zinsen an kreditwürdige Personen und gibt so wenig wie möglich von den Zinsen zurück.“
„Ja, und was ist ein kreditwürdige Person?“
„Vielleicht jemand, der nachweisen kann, dass er das Geld gar nicht braucht?“

Eigentlich hat Feucht von Lipwig – alias Albert Spangler – bisher eine Bank nur bei Nacht betreten und das auch nur über den Hintereingang. Und jetzt soll er seinen Job als Postminister aufgeben und die marode Kreditbank von Ankh-Morpork leiten – so Vetinaris Vorschlag. Vetinari hat gute Gründe, ausgerechnet Feucht dafür einzusetzen. Vetinari braucht Geld und weiß um die Fähigkeiten des General-Sanierers Lipwig. Doch Feucht zögert vorerst…

„Ein Bankier? Ich?“
„Ja, Herr Lipwig.“
„Aber ich habe keine Ahnung, wie man eine Bank führt!“
„Sehr gut. Dann kannst du vorurteilsfrei an die Sache herangehen.“
„Ich habe Banken ausgeraubt!“
„Famos! Du musst deine Aufgabe nur andersherum sehen“, sagte Lord Vetinari mit einem strahlenden Lächeln. „Das Geld sollte drinnen bleiben.“ […]
„Aber die Bank sollte von jemandem geleitet werden, der etwas von Banken versteht.“
„Leute, die etwas von Banken verstehen, haben die Bank in die Lage gebracht, in der sie jetzt ist“, sagte Vetinari. „Und ich bin nicht zum Herrscher über Ankh-Morpork geworden, weil ich etwas von dieser Stadt verstehe. Genauso wie das Bankwesen ist die Stadt deprimierend einfach zu verstehen. Ich bin Herrscher geblieben, weil ich die Stadt dazu gebracht habe, mich zu verstehen.“

Als Feucht aber – stellvertretend für einen Hund – die Leitung der Bank erbt, muss er sich nicht nur mit Geld und Gold auseinandersetzen sondern auch mit dem Personal. Da gibt’s den Hauptkassier, einen seltsamen Kerl mit seltsamen Ambitionen, ein Igor, der endlich die Gelegenheit bekommt, eine astreine Gehirnwäsche hinzulegen und die noch merkwürdigere Figur Hubert, die sich ausschließlich in der Krypta der Bank mit seinem Blubber beschäftigt. Lipwig wird mehr und mehr von der Hochfinanz fasziniert bis allerdings plötzlich im Tresor kein Krümelchen Gold mehr zu finden ist, bekommt Feucht Muffensausen. Was tun? Feucht erklärt kurzerhand das Gold für bedeutungslos, lässt stattdessen die ersten Dollar-Scheine in Briefmarken-Manier drucken und leitet so eine Wirtschaftsrevolution ein.

Während Feucht also mit dem Bankwesen beschäftigt ist, befindet sich seine Verlobte Fräulein Liebherz auf einer archäologischen Reise. Von dort nimmt sie gleich ein ganzes Heer von Golems mit nach Ankh-Morpork und löst dort ungewollt eine Katastrophe aus. Nicht nur, dass der Aufmarsch 400 Golems einer Kriegserklärung gleich kommt, die Panik vor Massen-Arbeitslosigkeit und Armut breitet sich rasant aus, denn ein Golem schläft nicht, isst nicht, braucht nichts und arbeitet 24 Stunden, 7 Tage die Woche usw. Doch Lipwig mit dem goldenen Hut schafft alles…

Dieses Mal ist es also das Wirtschafts- und Finanzleben, das von Pratchett in die Mangel genommen wird. Mit Humor (leider nicht so hintergründig und fein wie in einigen seiner älteren Romanen) und unterhaltsamer Kurzweiligkeit wird von den Regeln des Marktes erzählt (Je kürzer die Röcke, desto schlimmer die Wirtschaftskrise) und wie das Netz aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft zusammenhängt und funktioniert. Bereits bekannte Gestalten tauchen kurz mal auf, um den Leser zu beehren: TOD (hier hat er nur einen Job zu erledigen), T.M.S.I.D.R., dem Alles-Entsorger Paul König, Frau Kuchen, Mumm, Karrotte und Nobby Nobbs. Ein amüsanter Roman – ist jedoch leider nicht der Brüller. Entweder geht dem Autor langsam die Luft aus oder hat uns in den vergangenen Jahren einfach zu sehr mit spritzigen Ideen verwöhnt.

Rezension: NR. 71
9. November 2007

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