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Terry Pratchett: Snuff

snuff

Für den Kommandeur der Stadtwache Sam Mumm (Samuel Vimes) in Ankh-Morpork läuft es wieder einmal nicht so gut: die von seiner Ehefrau gestrickten Socken jucken wie verrückt, der Papierkram auf seinem Schreibtisch wird nicht weniger und es gibt keine nennenswerten Verbrechen, die es aufzuklären gilt. Und jetzt muss Mumm auch noch seiner Frau zuliebe zwei Wochen Urlaub machen! Und damit Mumm sich nicht aus der Affaire ziehen kann, hat sich Sybil auch noch mit Vetinari abgesprochen…

Zusammen mit Sybil, dem jungen Sam (mittlerweile bereits sechs Jahre alt) und dem treuen Butler Willikins reist Mumm auf das Käsedick’sche Anwesen auf’s Land. Dass Mumm mit Wörtern wie „Ferien“, „Entspannung“ oder sogar „Freizeit“ nichts anzufangen weiß, ist jedem T.P.-Fan von vornherein klar. Und so passiert auch schon der erste Mord, bevor alle Koffer ausgepackt sind. Denn: „Where there are policemen there’s a crime“. „Snuff“ ist nun schon der 39. Scheibenwelt-Roman von Terry Pratchett und noch nicht in deutscher Fassung erschienen.

If you could make it as a copper, then you could make it as a species

Wie zu erwarten, gestaltet sich das Landleben für den Kommandeur weder ruhig noch beschaulich. Es dauert nicht lange und Mumm wird in eine Schlägerei verwickelt und entdeckt die kläglichen Überreste eines ermordeten Goblin-Mädchens. Als darauf der ortsansässige Schmied, mit dem sich Sam am Vortag geprügelt hat, spurlos verschwindet, wird er auch noch des Mordes bezichtigt. Als ihn der junge Land-Polizist Feeney Upshot in seinem Landhaus verhaften will, hat der nicht mit dem ausgefuchsten, alten Hasen Sam Mumm gerechnet. In Handumdrehen hat Mumm nicht nur jemanden, der ihm bei den Ermittlungen am Mord an der Koboldin hilft, sondern auch einen gelehrigen Schüler, dem er die Grundregeln ehrlicher Polizeiarbeit beibringen kann.

Die Ermittlungen führen Sam und Feeney in die Höhlen der Kobolde und sie stellen in weiterer Folge fest, dass sie es mit brutalen Sklavenhändlern, Drogenschmugglern und einem irren Mörder zu tun haben. Für dramatische Spannung ist also gesorgt. Und es wäre nicht ein Pratchett-Roman, wenn dem Roman nicht ein ernsthafteres Thema zugrunde liegen würde…

The City Watch appeared to contain at least one member of every known bipedal sapient species plus Nobby Nobbs. It had come tradition: if you could make it as a copper, then you could make it as a species. But nobody had ever once suggested that Vimes should employ a goblin, the simple reason being that they were universally known to be stinking, cannibalisitic, vicious, untrustworthy bastards.

Of course. Everbody knew that dwarfs were a chiselling bunch who would swindle you if they could, and that trolls were little more than thugs, and the city’s one resident medusa would never look you in the face, and the vampires couldn’t be trusted, however much they smiled, and werewolves were only vampires who couldn’t fly, when you got right down to it, and the man next door was a real bastard who threw his rubbish over your wall and his wife was no better than she should be. But then again it took all sorts to make a world. It was not as if you were prejudiced because, after all, there had been an orc working at the university, but he liked his football, didn’t he just, and you could forgive anyone who could score from the centre spot and, well, you took as you found… But not bloody goblins, thank you very much.

… und wenn er uns nicht weitere Weisheiten über die menschliche Natur darreichen würde:

„Every community has its firebrand, or madman, or selft-taught politician.“

„Seperate dressing rooms and bathrooms […] if you had the money, there was no better way to keep a happy marriage happy.“

„This is the countryside, after all. Everyone sees where you go and you never know who is behind a hedge.“

„Snuff“ ist ein Scheibenwelt-Roman, der sich – wie schon in „Die Nachtwächter“ ausschließlich auf den Helden Sam Mumm konzentriert. Pratchett hat jedoch seine Figur weiter entwickelt. Mumm ist zwar immer noch geradlinig, beharrlich und unbestechlich, ihm unterlaufen aber keine Schnitzer mehr und niemand kann ihn übers Ohr hauen. Pratchett hat Mumm erwachsen und zum perfekten Helden werden lassen. Dadurch, dass die Geschichte nicht in Ankh-Morpork spielt, lässt die Begegnung mit lieb gewordenen Charakteren, wie Treibe-mich-selbst-in-den-Ruin Schnapper oder TOD, vielleicht vermissen. Zumindest der Rest der Wache (Fred Colon, Hauptmann Karotte und Nobby Nobbs) spielen ihre kleineren Rollen am Rande. Stattdessen stellt Pratchett eine bisher eher stiefmütterlich behandelte Figur ins Zentrum des Geschehens: den in jeder Hinsicht tadellose Butler Willikins.

Rezension: NR. 266
24. Februar 2012

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