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Vorgestellt: Ralph B. Mertin

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Autoren gibt es viele, Bücher noch mehr. Umso schwieriger ist es gerade für junge Autoren dieser Binsenwahrheit zufolge auf sich aufmerksam zu machen. Einige findige Schreiberlinge machen sich die Möglichkeiten des Internet zunutze und probieren neue Konzepte aus.
Wie zum Beispiel Ralph B. Mertin: Mit dem Versprechen „Jeden Montag neu: Thriller online kostenlos lesen“ lockt er auf seine Website thrilleronline.de. Mertin hat sich das Ziel gesetzt, innerhalb von 24 Monaten drei Thriller zu schreiben. Jeden Montag veröffentlicht er dazu kostenlos auf seiner Website 10 bis 20 weitere Seiten zu den Geschichten, aus denen einmal Bücher werden sollen. Interessierte Leseratten haben die einmalige Gelegenheit die Entstehung eines Buches live mitzuerleben, dem Autor über die Schulter zu schauen und mitzureden. 3 Romane, 2 Jahre, 1 Ziel:

Auf thrilleronline.de bin ich bei einem meiner eher seltenen Aufenthalte auf Twitter gestoßen. Der Verlockung, Thriller zu lesen, die als PDF-Download kostenlos zur Verfügung gestellt werden, konnte ich nicht widerstehen. Dass dahinter ein junger Autor steht, der seine Schreibe mutig einer kritischen Lesegemeinschaft anbietet, hat mich überrascht und beeindruckt. Und auch seine spritzige Art sich auf seiner Website selbst zu präsentieren. Anlass also genug Ralph B. Mertin anzutwittern und ihn dann per Email ein bisschen auszufragen.

Wer bist du, was machst du, seit wann schreibst du?

Ich schreibe solange ich denken kann und frage mich, ob das mehr über meine Hobbyleidenschaft oder mein Gedächtnis aussagt. Jedenfalls habe ich schon als kleines Kind immer gern und viele Geschichten erfunden, was nicht selten in Ärger mündete. Ich lebe in Weimar und habe dort zusammen mit meinen Eltern ein Unternehmen gegründet, das jedoch weder mit meinem Studium, noch mit meiner Leidenschaft in irgendeinem Zusammenhang steht. Ich vermute, dass es genau dieses Ungleichgewicht ist, das mich immer wieder an meine Tastatur führt.

Was ist das Konzept von thrilleronline.de?

Das Konzept von www.ThrillerOnline.de ist, dass ich beschlossen habe, die Ideen zu drei Thrillern zu Papier zu bringen und das Ganze live. Jeden Montag einer Woche werden die nächsten 10-20 Seiten von insgesamt geschätzten 1500 kostenlos online gestellt. Leser können in Forendiskussionen ihre Eindrücke wiedergeben, sowie Wünsche bezüglich der Fortsetzung anmelden.

Warum machst du das bzw. was erhoffst du dir davon?

Im Grunde kann man sagen, dass www.ThrillerOnline.de nur eine von Millionen Seiten in dem Internetwust auf Darwinismus basiert: Qualität setzt sich von selbst durch, ergo ist das was sich nicht durchsetzt auch keine Qualität.

Auf die Homepage gemünzt, ist das ebenso simpel wie resolut und stellt für mich persönlich ein rigoroses Ultimatum dar. Da ich den Wert meiner eigenen Arbeit nicht objektiv einschätzen kann, gehe ich davon aus, dass sich ein guter, spannender Roman (so sich auf meiner Homepage einer befindet), allein durch Qualität und Mundpropaganda so verbreiten wird, dass auf Dauer kein Verlag darüber hinwegsehen kann. Ich werde nicht an Verlage herantreten, sondern warten bis sie über mich stolpern. Wenn man bedenkt, wie wenig der zigtausende Manuskripte, die jedes Jahr eingesendet werden, tatsächlich angenommen werden, erscheint mir mein Weg mindestens genauso Erfolg versprechend. Spätestens am 23:59:59 Uhr, am 21.12.2012 (danach kommt ohnehin der Weltuntergang) werde ich mein Ziel erreicht haben, und sollte ich diesen Vorsatz, unabhängig aus welchem Grund, nicht einhalten können, erfolgt die endgültige Akzeptanz des Unvermeidlichen: die Löschung der Homepage und mein offensichtlich lang überfälliger, literarischer Suicid.

Warum heisst deine Website thrilleronline.de? Das ist ja eher ein sehr allgemeiner Titel, man würde eigentlich eine Thriller-Buch-Liste erwarten…

Der Name der Seite ist ein Kompromiss. Man will selbstverständlich einen möglichst allgemeinen Namen, damit Leute auch zufällig über die Internetseite stolpern. Je allgemeiner ein Name ist, desto unwahrscheinlicher ist es jedoch von Suchmaschinen gleich auf die erste Seite einer Suchanfrage verfrachtet zu werden und mal ehrlich, wer hat jemals jenseits der Seite 10 der Ergebnisse noch nachgesehen?

ThrillerOnline heißt die Seite darum, weil es in einem kurzen prägnanten Namen alles ausdrückt, was diese Seite bewirkt. Es werde Thriller online gestellt. (Und wer eine Thriller-Buch-Liste sucht, findet mich und – wer weiß – bleibt vielleicht)

Wie können dir die User weiter helfen?

User sollen sich nicht anders verhalten, wie sie sich verhalten würden, wenn sie einen Roman kaufen, der sie entweder unglaublich fasziniert, oder in ihnen beim Lesen einen Würgereflex auslöst. Entweder sollen sie begeistert sein, den Namen meiner Homepage hinaustragen, mich weiterempfehlen, oder eben mit Warnschildern winken.

Auf www.ThrillerOnline.de suche ich eine Antwort auf die Frage: Habe ich Talent. Und auch wenn mir die Antwort vielleicht nicht gefallen wird, so wird sie die Frage dennoch zu einem Abschluss bringen, so oder so.

Kannst du jetzt schon sagen, ob dein Projekt Erfolg haben wird?

Ist es ein Erfolg, dass ich innerhalb der ersten 3 Wochen der Homepage 3500 Hits hatte? Oder ist es ein Erfolg, dass ein regelmäßiger Leser aus der Stadt Shonkhla im Süden Thailands kommt? Ohne Vergleichsmöglichkeit kann ich das nicht einschätzen. Gemessen an den Zugriffszahlen von Amazon wird es sicherlich lachhaft sein. Ich kann aber soviel sagen, dass sich schon begeisterte und mitfiebernde Leser gefunden haben, die sich vor allem in Lovelybooks.de – Foren über meine Seite unterhalten und auch regelmäßig über Fortsetzungen abstimmen. Langsam wird es schwer die vielen Stimmen zu zählen, also habe ich bereits beschlossen, (in 2 Monaten soll die Weiterentwicklung der Homepage online gehen in der Vorschläge und Wünsche der Leser umgesetzt werden) eine Abstimmfunktion auf der Seite zu implementieren, damit das reibungsloser laufen wird.

Aber ob die Seite ein wirklicher Erfolg wird, wird wohl nur irgendwann einmal ein Buchladen zeigen! Entweder gibt’s dann dort nach dem 21.12.2012 ThrillerOffline… oder weder das eine noch das andere.

Ich habe mich natürlich nicht nur mit dem Anschauen von Mertins ehrgeizigem Projekt begnügt sondern auch gleich zum Lesen von „Das 4. Werk“ begonnen. Jetzt muss ich nur noch auf einen Montag warten, um zu wissen, wie es mit Sebastian und seiner Gabe Farben zu spüren, weitergeht…

» www.thrilleronline.de
» Diskutiere mit – auf lovelybooks.de
» Ralph B. Mertin auf Twitter
» thrilleronline.de auf Facebook

Rezension: NR. 222
11. Februar 2011

Deine Meinung über dieses Buch:

4 comments
  • frau_bluecher sagt:

    Ebenso wie Prof. Harald Stümpke mit seiner Veröffentlichung in den 40ern über die Rhinogradentia (dt. Nasenschreitlinge, engl. Snouters) hat sich Hans Traxler mit der Gründung der Märchenarchäologie um die Wissenschaft in einem Maße verdient gemacht, die meine absolute Bewunderung hervorruft. Penibel beschreibt er die Bemühungen Georg Osseggs in den 60ern die Wahrheit über Hänsel und Gretel herauszufinden. Was für ein wissenschaftlicher Aufwand, was für eine Hartnäckigkeit, was für ein Erfolg 😉
    Wer sich jemals in seinem Leben für Märchen und/oder Archälogie interessiert hat, sollte dieses Büchlein lesen und wird seinen Spass dran haben. Von meiner Seite aus gibt es eine unterhaltsame Rat(t)e.

  • susi sagt:

    … und ich hab’s geglaubt.

  • Marcus sagt:

    Inzwischen sollte allerdings jeder bemerkt haben, dass die Geschichte von angeblichen Ausgrabungen und phantastischen Entdeckungen lediglich Erfindungen von Hans Traxler waren, die beweisen sollten, wie einfach es ist, eine zunächst abwegige Geschichte über vermeintliche Beweisführung (die niemals stattfand) glaubhaft zu machen.Hans Traxler selbst klärt dies auf. Nur ganz hartnäckige verweigern sich gegen diese tatsächliche Wahrheit!

  • rosenrot sagt:

    Unglaublich und hochinteressant. Danke für diesen Beitrag!

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